Outback, Autopanne und Wiener Kartoffelsuppe

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Ein Beitrag über am Straßenrand campierende Holländer meines Bloggerkollegen Chaosvater hat mich dazu gebracht mich an meine abenteuerliche Australien-Reise im neblig-schimmernden Dunst des Jahres 1992 zu erinnern. Da jeder Start in ein neues Jahr auch gleichzeitig eine feine Gelegenheit ist sich an Vergangenes zu erinnern, will ich euch mit einer legendenverdächtigen Reiseepisode unterhalten …

Man versetze sich ins illustre Jahr 1992 – das können natürlich nur jene, die in diesem post-biblischen Jahrzehnt schon gelebt haben. All jenen, die da noch nicht mal geplant waren kann ich nur raten: hockt euch mal mit Omi, Opi, Tantchen und Onkelchen oder Mami und Papi zusammen und interviewt sie mal so richtig intensiv zum Thema „Jugenderinnerungen epischen Ausmaßes“. Ich verspreche, ihr werdet staunen.

Zurück zu meiner Geschichte, die ich heute erzählen will.

Man nehme: Australien, Sommer 1992. Sommer in Europa. Winter in Australien. Doch der Winter am anderen Ende der Welt kommt dem Winter gleich, den wir heuer bisher im Herzen Europas genossen haben – Plusgrade, kein Schnee, trist für alle Fans von meterhohem Pulverschnee und exorbitanter Pistengaudi.

Mein erster Solo-Trip im zarten Alter von … nun ja, wir wollen hier nicht direkt werden. Aber ihr könnt sicher sein, viel von der Welt hab ich damals noch nicht gesehen. Italien mit Mama. Holland mit Ente (2CV) und Mama und Bruder und 100 Stunden Beatles-Berauschung von einer einzigen Musikkassette – jaja, wieder so ein Ding aus vorsintflutlichen Zeiten. Griechenland mit Freunden. Solche feinen aber im Schoße der Familie sichere Reisen hatte ich also schon gemacht. Nur ganz allein nach Australien? Das war halt doch ein Abenteuer für sich.

In Australien selbst war ich dann doch nicht so ganz allein. Ich habe Familie dort, die mich irrsinnig lieb aufgenommen und mir viel von der Süd-Ostküste ihres Landes gezeigt hat.

Meine Geschichte führt uns also nun zu einem Roadtrip mit Tantchen Täubchen. Tantchen und ich machten uns eines Tages spontan mit der Familienkutsche in Richtung Outback auf. Voll gepackt mit Wasserflaschen und einem Sack Kartoffeln – wobei sich mir letzteres anfangs als Mysterium darstellte: Wieso Kartoffeln? Aber bitte. Kartoffeln waren also mit von der Partie. Wir fuhren von Newcastle (nördlich von Sydney) in Richtung Hillalong Station wo wir auf einer Schaffarm von Tantchens Freunden unterkommen wollten.

Wir hatten richtig viel Spaß, lachten, quatschten und redeten allerhand Unsinn: „Was ist mit dem Onkel Pepi? Und Tante Mitzi, lebt die noch?“. Schon nach den ersten paar Kilometern war’s mir egal auf der falschen Seite des Gefährts gen Norden zu düsen.

Bottle-Tree

Bottle-Tree

Die Landschaft wurde einsamer und einsamer. Die klassisch hölzernen Outbackhäuser zierten immer seltener unseren Weg. Die Erde links und rechts des Highways erstrahlte im herrlichsten Rostrot, der Himmel brillierte in einem faszinierenden Azurton. Mit der Zeit kamen uns immer weniger Autos entgegen. Auch die berüchtigten Roadtrains blieben aus. Alles weg. Allein mit Tantchen Täubchen, einem Campingwagen und einem Sack Kartoffeln. Mitten im Australischen Nirgendwo.

Endlose Weiten

Endlose Weiten

Als einzige Begleiter gab’s Büsche hier und dort, eine Menge Känguruleichen (jaja, kein schönes Bild, aber so ist’s nun mal in Australien), beachtlich große Wildschweine, die unseren Weg durchs Outback am Rand der Piste laut quietschend begleiteten… als plötzlich der Wagen zu spotzen begann und immer langsamer wurde bis er mit einem lauten Knall ganz stehen blieb.

Motorschaden in Reinkultur

Motorschaden in Reinkultur

Aha.
Spannend.
Was tun?

Tantchen Täubchen, ganz die coole Austro-Australierin, ließ den Wagen in die Pampas auslaufen, zog die Handbremse an (was ja schon recht lustig war, weil in der brettelebenen Landschaft kein Hügelchen als Gefahrenmoment des plötzlichen Anrollens unseres Gefährts erkennbar war), durchwühlte das Auto, packte die Campingausrüstung aus, setzte Wasser in einem Topf auf den Bunsenbrenner, schnitt gefühlte Milliarden Kartoffeln und kochte eine … Wiener Kartoffelsuppe! Dafür war also der Sack Kartoffeln gut.

Hungers wären wir somit nicht gestorben.

Kartoffelsuppe im Outback

Kartoffelsuppe im Outback

Wir hockten also auf unserem Campingtischchen, tranken Australischen Tetrapack-Weißwein, warteten darauf, dass unsere Wiener Kartoffelsuppe fertig köchelte – deren Odeur meine Hoffnungslosigkeit genauso unterstrich wie die Tatsache, dass stundenlang kein Auto vorbei kam – und hatten dabei trotzdem jede Menge Spaß.

Dem Ganzen haftete letztendlich etwas Episches an.

Autopanne im Nirgendwo

Autopanne im Nirgendwo

Tapfer versuchte ich mich an meinem Wüstendinner und blickte die endlos leere Straße entlang als sich plötzlich am Horizont eine Staubwolke in unsere Richtung bemühte. Nach einigen Minuten des Hinstarrens entpuppte sich das Gefährt als Bike-Transporter. Sofort streckte ich meinen Daumen auf „bitte mitnehmen“ hinaus als Tantchen Täubchen ein panisches: „Nicht, Kipet, die bringen uns sicher um!“ hören lies. Ich meinte daraufhin: „Is mir wurscht. Hauptsache ich bin von der Kartoffelsuppe erlöst!“

Offensichtlich waren die Biker doch keine Killer – oder aber sie hatten Mitleid mit mir ob der Wiener Kartoffelsuppe. Jedenfalls zogen sie uns ins nächste Outback-Dörfli wo wir uns dann in einem zünftigen Pub, das nur von Männern bevölkert war, mit einem 4X von unserem Pannenabenteuer erholten.

Tantchen Täubchen und ich im Aussie-Pub

Tantchen Täubchen und ich im Aussie-Pub

Wer übrigens glaubt in so einem Australischen Mini-Dörfchen wäre nix los, der irrt: Die Attraktion der Wüsten-Metropole war der wöchentliche „topless-ladys-contest“.

Werbung ist alles

Werbung ist alles

Sicherlich das lokale gesellschaftliche Ereignis der Superlative. Doch mich erwartete bereits mein nächstes Outback-Abenteuer mit dem Titel „Schrottkarren, Schrotflinten und jede Menge Schafe“ – aber das ist eine andere Geschichte… 😉

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Kategorien:Reisen

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  1. danke für den Hinweis auf meinen Blog – und? bist Du nicht bis zur kommenden Woche geblieben? da war doch in der Weltstadt echt was los!! OMG – streich das bloss bitte! *Augenklimper*

    • Na bitte gern – immerhin hast du mich dazu gebracht mal wieder in die Tasten zu klopfen! 🙂

      Und nein – gelöscht wird da nix! Aber mal ehrlich – die Jungs hatten unseren Wagen innerhalb eines Tages wieder gerichtet und dann ging’s eineinhalb Tage weiter in Richtung Kontinent-Zentrum. Also wegen eines Contests, so spannend er auch gewesen wäre, hätten wir die Strecke nicht auf uns genommen. Noch dazu haben wir unseren Wagen an unserem Reiseziel komplett zerschrottet und wir waren 1 Woche auf einer Schaffarm … äh … stationiert. Ja. So nennen wir das „stationiert“. 🙂

      • also Schaffarm – das ist dann so etwas wie : unfreiwilliges Bootcamp! ja? na dann bin ich ja mal auch auf die Story gespannt! … Schönen Abend Dir … ich muss auf Gassirunde 😉 -also nicht ich, sondern mein Hund!! *lol*

  2. Das finde ich toll, dass du diese lustige Geschichte ausgegraben und zu Papier gebracht hast! 🙂

  3. *Hahahahahaha!* 😆 Richtig gut! Bitte, erzähl weiter. 😉

    • Gern, Frau Schneckchen. Muss aber erst mal ein „bisserl“ was an Fotos einscannen, dann geht’s weiter mit Tantchen Täubchens und meiner Pannentour durchs Outback! 😉

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