Der King of Crime aus der Donaustadt

cervenyThomas Cerveny, heimischer Meister des mörderisch derbsprachigen Krimis, hat sich zu einem Interview mit mir im Wiener Donaupark getroffen. Er sprach über Sex, Humor und Crime und über seinen neuesten Erfolgswurf: „Kurt Stein – ein Schwein wird Privatdetektiv … sein erster Fall„.

Kipet: Thomas, du nennst dich selbst Wortwixer – wie kommt’s?
Thomas Cerveny: Das war eine spontane Idee – oft haben Künstler einen Zwischennamen. Kurt Stein ist ziemlich ordinär und da passt das dazu. Vieles in der Literaturszene ist Hirnwixerei. Oft wird nur das anerkannt, was Tiefgang hat und schwer zu verstehen ist. Ich sehe mich als Autor des Volks.

Kipet: Dein Schreibstil spaltet die Leserschaft. Es gibt einiges an Kritik ob deiner  recht treffenden Wortwahl…
Thomas Cerveny: Kritik ist super. Kurt Stein greift niemanden persönlich an. Wer damit ein Problem hat ist zu zart besaitet. Je mehr Leute sich darüber aufregen umso besser. Man darf als Autor nicht das schreiben was man glaubt was den Menschen gefällt, sondern das was einem selbst gefällt. Mein Schreibstil geschieht in unterhaltsamen Episoden. Ich liebe es alte, witzige Sager in meine Geschichten einzubauen.

Das Spiel mit der Sprache ist mir wichtig. Sager peppen das Ganze auf. Es gibt viele gute Autoren, wo der Stoff gut ist. Für mich sind es jedoch wenige, deren Schreibstil mich fasziniert. Mein Ziel ist es Menschen zum Lesen zu bringen. Sie anzusprechen und fürs Lesen zu begeistern. Vor allem Männer lesen nur selten. Der Stein ist für Männer sehr kurzweilig. Man kann das Buch auch mal weglegen und muss nicht von vorn zu lesen beginnen. Der Text ist nicht zu kompliziert. Gemischt mit Sex, viel Humor und Crime – und der Stein war geboren.

Kipet: Also kommen wir gleich mal zum Kurt Stein, deinem neusten Geniestreich.
Thomas Cerveny: Kurt Stein war Bulle, wurde in einen Korruptionsfall verstrickt und fristlos entlassen. Er schlägt sich durch. Obwohl er Polizeiarbeit satt hat wird er Privatdetektiv bevor er weiter Hilfsjobs macht. Stein ist sehr lasterbehaftet – raucht, säuft, geht zu Nutten, wettet auf Pferderennbahnen. Er ist cool und hart, aber auch tollpatschig. Seine Laster lassen ihn immer wieder ins Fettnäpfchen steigen, trotzdem ist er sympathisch.

Um seine Tollpatschigkeit zu zeigen: Eine Szene spielt auf der Donauinsel. Stein erhält den Auftrag einen Ehemann zu beschatten. Er hantiert auf der Donauinsel mit seiner neuen Videokamera und er filmt zwei junge, attraktive Frauen auf Rollerblades. Die treffen dann ihre Freunde und machen diese auf den Lustmolch aufmerksam, worauf die beiden ihm die Schnauze polieren wollen. Er schafft es gerade noch so zum Auto… Kurt filmt junge Frauen auf dem Trampolin. Während er sabbernd durch den Sucher schaut, geht eine Frau mit einem kleinen Buben vorbei. Der fragt seine Mutter was der Mann da macht.
Mutter: Der filmt etwas.
Bub: Was denn?
Mutter: Keine Ahnung, mal sehen …
Dann kommt sie Kurt auf die Schliche und nennt ihn ein perverses Schwein.

Kipet: Im Gegensatz zu Deinen beiden anderen Werken „Sin Francisco“ und „Wen der Tod rockt“, die teilweise in den USA spielen, bist du in deinem aktuellen Krimi in Wien geblieben. Stein treibt sich im 23. Bezirk, am Stadtrand, oder auch auf der Pferderennbahn oder der Donauinsel herum. Wie kam es zu diesen Locations?
Thomas Cerveny: Der Stein lebt in einer Wohnbude – Büro und Behausung in einem. Er hat kaum Geld. Es handelt sich um einen größeren Raum mit Waschmöglichkeit und einer Ausziehcouch. Im Wiener Industriegebiet. Stein passt weder in einen Gemeindebau noch in eine gediegene Wohnhausanlage. Dazu das Rotlichtmilieu in Liesing – einfach perfekt… Deswegen hab ich ihn in den 23. Bezirk verfrachtet.

Kipet: Verrätst du uns, wie kommt dein Bezug zu den USA überhaupt zustande?
Thomas Cerveny: Ich habe einen Freund, der in den USA lebt. Den habe ich besucht. Damals war ich 25 Jahre alt und hatte eine schicksalhafte Begegnung: Ich traf den Autor Robert B. Parker. Und so kam es, dass ich mit Mitte 20 beschloss Vollblutautor zu werden. Ich passe einfach nicht ins Büro…

Kipet: Wie steht’s mit Schreibblockaden?
Thomas Cerveny: Ich hatte noch keine Schreibblockade. Eher zu viele Ideen. Ich setze mich hin und schriebe und nach einer halben Stunde bin ich so richtig drin. Wortwahl und Formulierungen sind mir dabei sehr wichtig… Ich steh auf einen Schreibstil mit Pfiff, der in einem Satz sämtliche Aspekte ausdrückt.

Kipet: Und als Kind? Hast du viel gelesen?
Thomas Cerveny: Das Lesen ist mir in der HTL vermurkst worden. Bücher mit Tiefgang – Goethe, Schlafes Bruder, Schöne neue Welt usw. – waren nicht gerade das, was einen Jugendlichen interessiert hätte. Das ist heute anders.

Kipet: Du hast dich ja auch als Drehbuchautor verdingt. Scary Fairy Tale heißt es. Hast du vor weiter Filmdrehbücher zu schreiben?
Thomas Cerveny: Ein weiteres ist schon im Werden. Dieses Schreiben ist eine andere Art des Schreibens, es macht aber trotzdem Spaß. Manche Schauspieler gehen leider mit den Texten relativ frei um. Davon bin ich nicht Fan. Sie verwenden bei den Takes teilweise andere Wörter, die nicht den Kern der Sache treffen.

Kipet: Dein Stein ist ja eine Krimireihe. Wie steht’s mit einer Fortsetzung?
Thomas Cerveny: Teil 2 vom Stein ist schon fertig und wird im kommenden Frühjahr erscheinen. Und der dritte Teil ist im Werden! Und ein Buch über die österreichische Bodybuilding-Szene ist auch im Werden – ich hoffe, ich krieg Arnold Schwarzenegger dazu das Vorwort zu schreiben…

Über den Autor
Thomas Cerveny wurde 1980 in Wien geboren und wuchs in der Leopoldstadt auf. Die Volksschule besuchte er in der Novaragasse und ging danach aufs Gymnasium in der Vereinsgasse. Nach dem Abschluss der HTL in der Inneren Stadt, studierte Cerveny an der TU Informatik und Informatikmanagement. Mit 25 Jahren traf er den US-Autor Robert B. Parker und beschloss selbst Schriftsteller zu werden.

Bislang erschienen:
„Sin Francisco“ (Kindle-Edition: ISBN-13: 978-3-902891-93-8),
„Wen der Tod rockt“ (Print Echo Media: ISBN-10: 3902900237 und ISBN-13: 978-3902900234 / Kindle-Edition: ISBN-13: 978-3-902891-27-3),
„Kurt Stein – Ein Schwein wird Privatdetektiv … sein erster Fall“ (Print gONZo Verlag: ISBN-13: 978-3-944564-04-3 / Kindle-Edition: ISBN-13: 978-3-902891-92-1)

Thomas Cerveny-Homepage: www.thomascerveny.com
Thomas Cerveny auf Facebook

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Kategorien:Interview

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