Aus dem Alltag eines Wiener Bademeisters

simmeringerbad_01Wie wird man Bademeister – und wieso? Und was geht in einem vor, wenn man ein Menschenleben rettet? Marco T. (31), Bademeister in seiner zweiten Saison im Wiener Simmeringer Sommerbad, erzählt aus seinem Alltag als Pool-Watcher.

Das Simmeringer Bad ist – nicht zuletzt Dank seiner höchst interaktiven Flirtmeile, dem „SB-Büffet“ – einer der Hotspots im hochsommerlichen Wien! Neben einem kleinen Fitnessparcours, diversen Goodies für Kids, einem Beachvolleyball- und Fußballplatz gibt es als Top-Attraktion das Wellenbecken.

Doch was den Badegast erfreut, wird für die Pool-Watcher zum Adrenalinkick: In der Minute, in der die Wellen aktiviert werden, steigt das Risiko eines Badeunfalls ins Unendliche. 50 bis 70 Einsätze und 15 bis 20 Rettungseinsätze, dazu ein bis zwei Helikopter-Einsätze pro Saison verzeichnet jedes einzelne Wiener Sommerbad pro Jahr – die meisten Badeunfälle passieren während der Wellen…

simmeringerbad_02Kipet: Wie sind Sie Bademeister geworden?
Marco T.: Ich kam durch einen Freund, der schon in Simmering Bademeister war, dazu. Ich war damals auf Jobsuche, absolvierte die zweistündige Schwimmprüfung und bin jetzt in der 2. Saison Bademeister.

Kipet: Was machen Sie außerhalb der Sommersaison?
Marco T.: Außerhalb der Saison gehe ich wieder in den Verkauf, das habe ich gelernt. Oder ich vertrete meinen Vater in dessen Firma, wenn er auf Urlaub geht.

Kipet: Wie steht’s mit dem Flirten? Wird man als Bademeister nicht oft angeflirtet?
Marco T. (lacht): Es kommt schon mal vor, dass man angeflirtet wird…

Kipet: Was gefällt Ihnen an Ihrem Job besonders gut?
Marco T.: Man arbeitet im Freien, Superplus ist die schöne Farbe, die man bekommt (lacht). (Wieder ernst) Aber in Wirklichkeit handelt es sich um einen sehr verantwortungsvollen Job. Anfangs habe ich mir das leichter vorgestellt. Man sieht vor allem wenn das Wellenbad angeht viele Köpfe im Wasser, da kommt schon ein gewisser Adrenalinstoß. Ich habe auch schon mehrfach Menschen aus dem Wasser gerettet. Erst nach der Rettung denkt man nach, was alles hätte passieren können. In der Minute der Gefahr reagiert man einfach.

Kipet: Das muss nicht immer einfach sein, mit Unfällen klar zu kommen…
Marco T.: Letztes Jahr habe ich einen 84-jährigen Badegast gerettet. Es war Hochsaison und er erlitt in der Mittagssonne im Wasser einen Herzinfarkt. Der Mann war klinisch tot, doch wir konnten ihn nach drei Minuten reanimieren. Er wurde von den Sanis mit dem Helikopter ins Spital gebracht und hat überlebt. Solche Erlebnisse hängen einem schon länger nach…

Informationen rund ums Simmeringer Bad finden Sie online auf www.wien-konkret.at

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Kategorien:Interview

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11 replies

  1. Sehr interessant, ich möchte diesen Job nicht machen!
    lg. Sina ohne Schwimmbad

    • Ist ein ziemlich verantwortungsvoller Beruf. Ich weiß nicht, ob ich das so easy wegstecken könnte, wenn ein Kind (oder auch ein Erwachsener) trotz meines Einsatzes stirbt. Die Bademeisterinnen und Bademeister nehmen ihren Beruf sehr ernst.

      • Ja das meinte ich, diese Verantwortung und wenn dann dochmal was passiert, gar mit einem Kind? Nicht auszudenken.

        lg. Sina, die heute hier ein Vogel reissendes rotes Raubtier hat 😦

        • Ich schätze, aus genau diesem Grund ist aus mir keine Chirugrin geworden (nebst anderen Gründen, natürlich *gg*). Die Verantwortung um ein Menschenleben wäre mir zu extrem. Egal ob Baby oder Urgroßvater. Ich bewundere die Burschen, die diesen Job machen und dabei auch noch den Spaß dabei nicht verlieren.

          Und? Was macht dein Vogeljäger? War er erfolgreich? (Ich bin wirklich froh, dass Frau Katz keine Chance zum Jagen hat. Ich mag unsere wild lebenden Piepmätze nämlich sehr! :-/ )

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