Der Tod ist erst der Anfang

Bäckenhäusel Friedhof: Massengrab mit möglichst Platz sparend in die Grube gelegten Toten.

Bäckenhäusel Friedhof:
Massengrab mit möglichst Platz sparend in die Grube gelegten Toten.

Siechenals war rund 2,5 Hektar groß und lag zwischen der heutigen Sensengasse und Spitalgasse. In den Jahren 2005 und 2006 konnte die Stadtarchäologie Wien das gesamte Areal ausgraben und dokumentieren. Eine neue Posterschau ab dem 13. Juni 2014 in der Fachbereichsbibliothek Bildungswissenschaft, Sprachwissenschaft und Vergleichende Literaturwissenschaft.

Noch heute ist der Wiener Stadtteil Alsergrund eines der größten medizinischen Zentren Österreichs. Nicht nur die MedUni Wien hat  dort ihre Ausbildungsstätten, auch Österreichs größtes Lehrspital, das AKH (Allgemeine Krankenhaus) ist im 9. Bezirk angesiedelt. Schon im Mittelalter galt die Alser Vorstadt als medizinischer Hotspot der Stadt. Wer in Siechenals nicht geheilt wurde verstarb in einer der lokalen medizinischen Anlagen und wurde auch dort begraben.

Neuer Schottenfriedhof: Totenkronen aus gezwirbeltem Filigrandraht und anderen Schmuckteilen waren vom 16. bis zum 19. Jahrhundert bei der Bestattung von Kindern und ledig Verstorbenen beliebte Beigaben. Sie symbolisierten die im Tode vollzogene Hochzeit mit Christus. Saß die "Brautkrone" nicht auf dem Kopf, konnte sie – wie in diesem Grab – in die Arme oder Hände gelegt werden.

Neuer Schottenfriedhof:
Totenkronen aus gezwirbeltem Filigrandraht und anderen Schmuckteilen waren vom 16. bis zum 19. Jahrhundert bei der Bestattung von Kindern und ledig Verstorbenen beliebte Beigaben. Sie symbolisierten die im Tode vollzogene Hochzeit mit Christus. Saß die „Brautkrone“ nicht auf dem Kopf, konnte sie – wie in diesem Grab – in die Arme oder Hände gelegt werden.

Gleich drei ehemalige dort ansässige Friedhöfe, die im Zuge der Josephinischen Reformen aufgelassen wurden, stehen im Zentrum einer neuen Posterschau der Stadtarchäologie Wien, die ab 13. Juni im Erdgeschoss der Fachbereichsbibliothek Bildungswissenschaft, Sprachwissenschaft und Vergleichende Literaturwissenschaft in der Sensengasse 3a zu sehen sein wird

Siechenals Friedhöfe
Als älteste Begräbnisstätte ist der in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts angelegte Bäckenhäusel Friedhof zu nennen. Hier sind hauptsächlich Massengräber angelegt worden, die vermutlich mit der Pest-Epidemie im Jahr 1679 oder 1713 zusammenhängen. In sechs Grabungsmissionen konnte die Stadtarchäologie Wien 300 Bestattete aufnehmen und dokumentieren.

Um 1717 wurde der Spanische Friedhof errichtet. Er war der Bestattungsplatz für Verstorbene im Spanischen Spital, das in der heutigen Bolzmanngasse 9 beheimatet war. Die Archäologen fanden 61 in Reihen angeordnete Schachtgräber, sowie eine Kapella und ein Denkmal.

Als Ersatz des Vogelsangfriedhofs auf der Freyung im 1. Bezirk wurde nach 1765 der Neue Schottenfriedhof installiert. Er wurde beidseitig des Weges zur Friedhofskirche angelegt und wies mehrfach belegte Schachtgräber auf. Im Norden des Areals befand sich auch ein Bereich für Kinderbestattungen. Insgesamt wurden 190 Gräber freigelegt.

Buchtipp
Das neue Buch Zur Erden bestattet stellt diese und drei weitere, mittlerweile aus dem Stadtbild verschwundene, neuzeitliche Friedhöfe vor, die alle von der Stadtarchäologie Wien ausgegraben wurden:

H. Krause / C. Litschauer / Ch. Ranseder / M. Binder / K. Großschmidt: Zur Erden bestattet. Sechs vergessene Wiener Friedhöfe; Wien Archäologisch 10 (Wien 2013). 184 Seiten mit zahlreichen Abb. 22 x 14 cm. Broschur. EUR 21,90. ISBN 978-3-85161-111-3

Posterschau „Der Tod ist erst der Anfang“
Ort: Fachbereichsbibliothek Bildungswissenschaft, Sprachwissenschaft und Vergleichende Literaturwissenschaft / 1090 Wien, Sensengasse 3a, Erdgeschoß
Ausstellungsdauer: ab 13. Juni 2014
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 8:30 bis 20 Uhr, Samstag 10-18 Uhr
Eintritt: frei

Infos zu Ausstellung und Buch: www.wien.at/archaeologie

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Kategorien:Archäologie, Ausstellungen, Forschung, Geschichte, Medizin, Tipps, Wien, Wissenschaft

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1 Antwort

  1. Mir gefällt der einstige Brauch, Kindern und ledig verstorbenen eine Krone als Grabbeigabe mitzugeben um die Vereinigung mit Christus damit zu symbolisieren.
    Ein interessanter Beitrag.

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