Seelenheil für Mensch und Tier

Pfarrer Michael Hofians und Tierflüsterer Reinhard Muth: Tierflüsterstube in der Pfarre Heiligenstadt hilft "Problemhunden".

Pfarrer Michael Hofians und Tierflüsterer Reinhard Muth: Tierflüsterstube in der Pfarre Heiligenstadt hilft „Problemhunden“.

Heilige Messen, in denen Hunde explizit erlaubt sind, eine Tierflüsterstube geführt von Reinhard Muth, Österreichs erstem staatlich anerkannten Tierverhaltensenergetiker und eine Hundetrainerin, die im 10.000 Quadratmeter großen Pfarrgarten ihre Privatkurse abhält: In der Pfarre Heiligenstadt wird fürs Seelenheil von Zwei- und Vierbeinern gesorgt. Ein Interview:

Kipet: Hunde sind ein großes Thema in der Pfarre Heiligenstadt, nicht wahr?
Michael Hofians:
Überhaupt kein großes Thema, Gott sei Dank! Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass Hunde bei uns präsent sein dürfen.

Kipet: Auch in der Messe?
Michael Hofians
(lacht): Ja selbstverständlich! Ich besorge regelmäßig am Samstag Kalbsrindknochen, die werden im Kelomat hergerichtet, damit die Hunde wissen wo’s hingehören. Die werden regelrecht angefüttert. Jeden Samstag ist die Sakristei bestens bewacht, auch am Sonntag. Ich merke gar nicht, dass ein Hund in der Kirche ist. Die rühren sich überhaupt nicht!

Kipet: Sind Sie ein Hundefreund, Herr Pfarrer?
Michael Hofians
(lacht): Ein Tierfreund. Ich habe viele Katzen gehabt. Zur Zeit habe ich keine. Wenn ich zwei Wochen weg bin ist es schwierig jemanden zu finden, der die Katze so hält wie ich es mir vorstelle. Meine Katzen haben alle Maxi geheißen, damit ich es mir merken konnte.

Kipet: Hatten sie auch schon Hunde?
Michael Hofians:
…in Pflege. Ich habe von einem Polizisten einen Scheidungshund übernommen wenn er Dienst gehabt hat. Einen Neufundländer. Und einen Schäfer-Riesenschnauzermischling habe ich einmal gehabt.

Der idyllische, mittelalterliche Pfarrhof der Pfarre Heiligenstadt.

Der idyllische, mittelalterliche Pfarrhof der Pfarre Heiligenstadt.

Kipet: Ich habe gelesen, dass wenn ein Mensch stirbt, trauert auch das Tier. Ich schätze, Reinhard, das ist jetzt deine Schiene…
Reinhard Muth:
Genau. Und wer Lust hat, kann das auch seelisch als Mensch verarbeiten, da ist der Profi, der Herr Pfarrer da. Und so war eigentlich die Idee.
Michael Hofians: Das Thema Mensch- und Tierseelenheil hat sich bei uns in der Pfarre Heiligenstadt sehr natürlich entwickelt. Ich habe eine Freundin, die Barbara. Die kenne ich schon, da war sie noch ein Kind. Heute ist sie Kindergärtnerin, Horterzieherin und befasst sich auch professionell mit Hunden. Sie trainiert Hunde. Vor fast zehn Jahren hat sie mich gefragt ob sie zwei Mal in der Woche einen Teil meines Gartens, der ist 10.000 Quadratmeter groß, haben kann für diese kleine Gruppe, die sie macht. Sie macht das nur im privaten Bereich. Da hab ich gesagt, ja gerne und sie hat gefragt: was das kostet. Da habe ich ihr gezeigt wo der Rasenmäher steht und seitdem funktioniert die Sache einwandfrei. Da hat jeder was davon.
Zu Franziskus haben wir eine Messe für die Tiere. Das ist an sich eh was Klassisches. Ich habe das begonnen, da war ich Religionslehrer. Da ist einmal ein Amtstierarzt mit einem Esel gekommen. Und in der Schule war das so, dass die Kinder ein Tier mitbringen sollten. Ein Vater hatte einen Zwerghahn dabei, der ist auf dessen Schulter gesessen, fantastisch! Daneben gab’s einen Hasen, eine Katz und einen Hund, die waren ganz friedlich. Und ein Mädchen – unvergesslich – ist gekommen mit einem Gurkenglasl, das war mit Erde gefüllt und darin, da war ein Regenwurm! (lacht) Auch das ist ein Teil der Schöpfung. Da sieht man wie kreativ die Kinder sind. Da müssen wir oft viel lernen…

Kipet: Darf in jede Messe der Hund mitgenommen werden?
Michael Hofians: Ja, klar. Ich habe einmal gesehen, dass ein Hund draußen in der Kälte angehängt war. Ich habe den Besitzer gebeten den Hund doch mit hinein zu nehmen. Die tun ja nix! Wenn ein Hund den ganzen Gottesdienst hindurch bellt, werden sich die Leute aufregen. Das ist eh klar. Aber das ist in zehn Jahren noch kein einziges Mal passiert. Die Leute merken’s gar nicht. Da sitzt ein Pudel auf der Schoss seines Herrls, das merk ich auch nicht. Ein anderer Hund liegt an der Wand, weil dort die Wandheizung ist und er sich dort wohl fühlt. Und in der Sakristei sind drei Hunde, die rühren sich nur wenn wer an ihnen vorbei geht. Und wenn die Türe aufgeht…
Reinhard Muth: …das ist die Alarmanlage…
Michael Hofians: Ja, ich bin bestens bewacht (lacht). So friedlich läuft das bei uns ab. Wir reden immer vom Franziskaus, auch vom heiligen Antonius, von der Schöpfung. Der Antonius hat mit den Fischen geredet. Ich tu’s gern mit Knoblauch… (lacht) Ich habe Achtung vor der Schöpfung!
Reinhard Muth: Der Herr Pfarrer und ich helfen. Ich habe ja eine regelrechte Herbergssuche für meine Tierflüsterstube hinter mir. Entweder hätte ich viel Geld für einen winzig kleinen Raum zahlen müssen, oder in der VHS (Anm.: Volkshochschule) wurde mir gesagt: Menschen schon, aber Tiere sind nicht erlaubt, weil die pinkeln alles an…
Michael Hofians: Also da ist noch nie was passiert.
Reinhard Muth: Und darum habe ich ihn Gott sei Dank kennen gelernt. Ich bin sehr froh darüber, dass ich hier in der Pfarre meine Tierflüsterstube gegen eine Spende errichten durfte.
Michael Hofians: Das ist auch gut für uns, wenn unsere Räumlichkeiten ausgebucht und damit genutzt werden. Ich muss sie sowieso heizen. Im Winter sind die Betriebskosten sehr hoch. Und jetzt san ned nur die Hund da. Wir haben Gitarreunterricht, wir haben Geigenunterricht. Wir haben einen Trommelkurs…
Reinhard Muth: Das ist hier wie auf einer VHS. Es ist eines der wenigen Pfarrzentren, die wirklich Kultur anbieten.

DSC_0252_kleinKipet: Hier herrscht wirklich Leben…
Reinhard Muth: Es muss halt da irgendwie so eine Energie herrschen…
Michael Hofians: Na ja… Man darf schon sagen die Traditio hier ist 1500 Jahre alt. 1500 Jahre, da ist scho was passiert. Und sicher muss da eine Kraft spürbar sein. Das ist schon klar. Hoffe ich zumindest. Die Atmosphäre des Pfarrhofs ist natürlich einzigartig. Also ich muss schon sagen, wir sind ja auch gesegnet durch diesen Dorfcharakter der sich hier zeigt. Man kommt auf das Platzl, der Nepomuk in der Mitt’n und der Heurige da, das Wirtshaus dort. Und die Kirche… Daneben dieses Haus zwischen den Pfarrwirten und der Kirche, das war die Dorfschule Heiligenstadt. Das muss man auch wissen. Wenn man hinein geht, sieht man noch das niedrige Geländer für die Kinder. Einer unserer Mieter hat gesagt ob ich das Geländer nicht höher setzen könnte, hab ich gesagt: „Du wirst noch froh sein wenn du gebückt hinauf gehst, dass du das Geländer unten hast.“ Mittlerweile gibt er mir Recht. Von der Schule habe ich ein Bild am Dachboden gefunden, restauriert von Kaiser Franz Josef von der Sisi. Das hängt jetzt bei mir im Vorzimmer.

Kipet: Und wie ist das jetzt mit der Tierflüsterstube? Wenn ein Mensch einen Tierflüsterer in Anspruch nimmt, hat er schon eine gewisse Geschichte mit seinem Tier hinter sich. Da ist er sicher einigen Dingen gegenüber offener
Michael Hofians: Da ist Hoffnung da.
Reinhard Muth: Ich arbeite wirklich mit der Seele. Wir sitzen immer am Boden, in Augenhöhe mit dem Hund. Das ist sehr schön.
Michael Hofians: Das ist beim Hund wie beim Menschen so. Bei einem Kind geht man auch auf Augenhöhe. Man muss auf Augenhöhe.
Reinhard Muth: Die Leut‘ kommen unter anderem mit sehr aggressiven Hunden zu mir. Das Einschläfern droht und ich bin ein strikter Gegner des Einschläferns. Wenn ich aber merke, dass sich der Hund bei mir nicht so wohl fühlt, mach‘ ich ein ein Stoßgebet, bete ein Vater unser. Ein Gebet hat ja auch eine energetische Hülle. Und dann ist es oft so, dass plötzlich was anspringt…
Michael Hofians: Ich seh das natürlich aus der Sicht der Theologie. Im Evangelium steht: „Wer mich gläubig bittet…“ Das ist naürlich was Anderes als wenn man betet „na hilft’s nix, schad’s nix“.
Reinhard Muth: Wenn man beim Beten mit dem Herzen dabei ist, da ist auch die Energie. Da ist etwas.

Tierflüsterer Reinhard Muth mit einem Schäferhund bei der Arbeit. (c) M. Ziegler

Tierflüsterer Reinhard Muth mit einem Schäferhund bei der Arbeit. (c) M. Ziegler

Kipet: Ich sag immer, es kommt drauf an was das Herrchen aus dem Hund macht. Egal ob er jetzt ein kleiner Schoßhund oder ein sogenannter Kampfhund ist.
Michael Hofians: So ein Kleiner kann aggressiver sein als das größte Kalberl!
Reinhard Muth: Ich kann mich erinnern, ich bin mal mit einem Chihuahua am Boden gesessen und er hat mir Bussis gegeben und plötzlich WAU, zack… So schnell hab ich gar nicht schauen können. Und sein Frauchen hat gesagt: „Das hat er noch nie gemacht.“ Und ich: „Das ist mir eigentlich egal…“ Das ist damals in meiner Wohnung passiert, da hat der kleine Hund ein Stückerl von meiner Haut auf seinen Zähnen gehabt. Das haben wir dann in eine Folie eingewickelt, die Rettung angerufen und gesagt ich hab einen Hundebiss. Da ist dann gleich der Notarzt mit einer Tetanusspritze gekommen. Das Stückerl Haut wurde wieder angenäht. Und drum bin ich jetzt sehr vorsichtig. Also wenn jemand mit so einem kleinen Hund kommt und sagt „…na mit’m Beißkorb, da hab ich’s nicht…“, da sag‘ ich dazu: „Nein, bitte geben sie ihn rauf. So sehr ich Hunde liebe, ich bin ein gebranntes Kind!“
Ich setze mich also auf Augenhöhe zum Hund auf den Boden und arbeite mit dem Tier. Meine menschlichen Klienten sind danach immer sehr überrascht, wie sich ihr Hund in seinem Verhalten positiv verändert. Ich arbeite auch mit aggressiven Beißhunden und kann sie so vor dem Einschläfern retten. Aber auch Katzen und andere Tiere behandle ich hier in meiner Tierflüsterstube.

Kipet: Wie kann man Sie kontaktieren?
Reinhard Muth:
Kontakt bekommen Sie über unsere Webseite zur Hunde- und KatzenSeelenFlüster-Pfarrstube hundeseelenfreund.jimdo.com oder unter der Telefonnummer 0650/31 90 70. Infos zur Pfarre Heiligenstadt gibt’s auch online auf www.heiligenstadt.com.

Zur Hunde- und KatzenSeelenFlüsterer-Pfarrstube:
Reinhard Muth ist Österreichs 1. staatlich anerkannter Tierverhaltensenergetiker. Er selbst bezeichnet sich lieber als Österreichs HundeSeelenFlüsterer. Vor drei Jahren gründete er gemeinsam mit Pfarrer Michael Hofians in der Pfarre Heiligenstadt ein besonderes, tieliebendes Projekt, die Hunde- und KatzenSeelenFlüsterer-Pfarrstube. Mittels Handauflegen, Heilkräutern und Worten kümmert Muth sich um problematische Hundeseelen, während Pfarrer Hofians sich bei Bedarf um die menschliche Seele annimmt, Gespräche führt und Ratschläge gibt. Ebenfalls werden HundeMediatationsabende angeboten, die besonders bei Mensch und Tier sehr gut ankommen. „Wir sind auf dem richtigen Weg um mehr Harmonie zwischen Gesellschaft, Medien und Einzelpersonen zu bringen“, sagt Muth, der auch Tiere und Menschen aus Deutschland und der Schweiz betreut. „Erziehung ist nicht alles, der Hund hat eine Seele und wenn die Seele nicht harmonisch ist, gibt’s Troubles.“ Die Einrichtung wird mit Spenden und Kostenzuschüssen finanziert. 

Advertisements


Kategorien:Interview, Tipps, Wien

Schlagwörter: , , , , , , , , , ,

2 replies

  1. Das ist ein herzerfrischender, Hoffnung spendender Bericht!
    Toll, was hier geleistet wird.
    Ich wünsche von ganzem Herzen viel, viel Erfolg und Zuspruch!

    Dir liebe Kipet, danke schön für deine Vielfalt an Berichterstattung!

  2. Wir hatten bei diesem Interview viel Spaß. Selten und schön einen so menschlichen, liebenswerten Menschen wie den Herrn Pfarrer Hofians kennen zu lernen. Und bei Reinhard Muth kann ich mir sehr gut vorstellen, dass er dem schlimmsten Beißerhund helfen kann. Er hat eine wunderbare, ruhige und gelassene Wesensart…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: