Josef Meinrad – ein Kind aus Hernals

Filmstill, Josef Meinrad als österreichischer Ministerpräsident in "1. April 2000". (1952)

Filmstill, Josef Meinrad als österreichischer Ministerpräsident in „1. April 2000“. (1952)

Gedenken an den 100. Geburtstag des Ifflandring-Trägers und Kammerschauspielers

Josef Meinrad, geboren am 21.4.1913 als Josef „Peppi“ Moučka, wuchs als Sohn einer Milchfrau und eines Straßenbahnfahrers in ärmlichen Verhältnissen in der Ferchergasse in Hernals, dem 17. Wiener Gemeindebezirk, auf. Trotz der Kriegsjahre verlebte er eine glückliche Kindheit. Mit seinem besten Freund, Leo Wurst – eine Freundschaft, die ein Leben lang hielt – spielte er am Bahndamm der Vorortelinie und besuchte die Atzbergerschule. Dort stand er in einer Schulaufführung des „Wilhelm Tell“ in der 4. Klasse zum ersten Mal auf der Bühne. Damals wurde der Wunsch geboren Schauspieler zu werden.

Da die Mutter sehr gläubig war, wurde Meinrad schon sehr früh Ministrant in der Marienkirche. Ging es nach der Mutter, sollte der kleine Josef Pfarrer werden. Meinrad besuchte daraufhin das Seminar in Katzelsdorf, doch der Zölibat war nicht nach dem Geschmack des jungen Burschen und er entschied sich endgültig fürs Schauspielfach, ein damals sehr anrüchiger Job.

Meinrad, der Schauspieler
Meinrad legte 1937 die Schauspielprüfung ab und ging nach seiner Musterung 1940 nach Metz (Elsass-Lothringen), wo er seine spätere Frau Germaine traf. 1947 wurde der Künstler am Burgtheater engangiert. Insgesamt stand er in 7.228 Aufführungen auf der Bühne, drehte 56 Filme und spielte in 64 TV-Produktionen mit. Davon gab er ganze 21 Mal den Priester! 1958 ging Kammerschauspieler Josef Meinrad in die USA um das Musicalfach zu lernen und erhielt 1959 – zur großen Überraschung vieler Neider und seiner selbst – den Ifflandring überreicht. (Meinrads Dankesrede bei der Verleihung des Ifflandringes bitte hier klicken.)

„Josef Meinrad ist ein ganz Großer geworden“, erzählte Gertrude Neuhold bei der Gedenkveranstaltung des berühmten Hernalser Kindes im Saal der VP Hernals (17., Hern. Hauptstr. 124). „Sein erster und sein letzter Auftritt fand in Hernals statt – zur 100-Jahresfeier der Marienkirche.“

Meinrad starb am 18. Februar 1996 in Groß Gmain bei Salzburg.

Ausstellungstipp: Josef Meinrad – Der ideale Österreicher
17. April bis 31. Oktober 2013
Rathaus, 1., Ausstellungskabinett der Wienbibliothek, Stg. 6, 1. Stock
Mo–Do: 9.00–18.30 Uhr,
Fr 9.00–16.30 Uhr
Sommeröffnungszeiten (5. bis 23. August):
Mo–Fr 9.00–15.00 Uhr
Führungen nach Vereinbarung

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Kategorien:Film, Leute, Museen, Theater, Wien

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5 replies

  1. Es freut mich sehr, hier von diesem bescheidenen, überaus begabten Schauspieler zu lesen.
    Es ist eine Wohltat seine Stimme zu hören.
    Auch sind die „alten“ Filme sehr zu empfehlen.

  2. ja, diese „alten filme“ haben schon was. immer wenn ich einen seh‘, denke ich an die sonntag nachmittage mit meiner oma, als wir beide vorm fernseher gesessen und über meinrad, moser & co gelacht haben…mir sehr wertvolle erinnerungen!

  3. Mittlerweile stammt ein großer Teil der Schauspieler und Theatermitarbeiter nicht aus Österreich, sondern aus Deutschland oder anderen Ländern; dennoch werden viele Burgschauspieler von den Wienern als Wiener akzeptiert und als „ihre Schauspieler“ verehrt. Der Deutsche Michael Heltau ist einer der größten Wienerlied -Interpreten, und Robert Meyer , der aus dem Grenzgebiet von Deutschland zu Österreich stammt, ist einer der beliebtesten Nestroy-Darsteller. Die Schweizerin Annemarie Düringer gehört ebenso zu den Lieblingen des Publikums wie der Deutsche Ignaz Kirchner , und die gebürtige Deutsche Susi Nicoletti galt als die österreichische Schauspielerin schlechthin. Auch die von Claus Peymann nach Wien geholten und anfangs angefeindeten Schauspieler wie Gert Voss und Kirsten Dene sind längst Publikumslieblinge. Eine gute Besetzung (manchmal mit Gastschauspielern) kann bewirken, dass es so gut wie unmöglich ist, für eine Produktion Karten zu bekommen. Die Namen der schon erwähnten Hörbigers und „der Wessely“ wirkten wie ein Magnet auf das Publikum, es war praktisch alles restlos ausverkauft, wo sie auftraten. Aber auch heute gibt es „Dauerbrenner“: für die Ottokar-Inszenierung mit „der Orth“, „dem Maertens“, „dem Merkatz“ und „dem Moretti“ oder den Nathan mit „dem Brandauer“ war es monatelang sehr schwer, ohne Abo Karten zu kaufen. Die Beiträge im Gästebuch der Burgtheater-Homepage zeugen davon, dass manche Inszenierungen eine richtige Fan-Gemeinde haben. Dennoch kommt es immer wieder vor, dass die konservativeren Burgbesucher bei einer modernen Inszenierung ihren Unmut während der Vorstellung lautstark ausdrücken.

  4. Wien ist für Schauspieler (und übrigens auch für Opernsänger) ein extrem schwieriges Pflaster. Hat ein Newcomer Wien aber erobert, wird er hofiert und geliebt. Dass wir Wiener „zugereiste“ Schauspielstars gern „einwienern“ ist hinlänglich bekannt. Wienerisches ist gut. 😉 Alles Gute muss daher „unsriges“ sein! Das ist unsere Art eines liebevollen Umganges mit uns lieb gewordenen Gesichtern, die auf den Brettern dieser Welt stehen! (Nichts für ungut… 😉 )

    Der traditionelle Wiener liebt das „Alte“ und „Althergebrachte“. Besonders an der Burg geht das Publikum mit modernen Inszenierungen schwer ins Gericht. Die Burg ist ein Traditionshaus. Traditionelles „darf“ in den Augen der Zuschauer nicht modernisiert werden. Der Staub auf alten Inszenierungen lockt wie Patina, ist wie eine heilige Kuh, die unangetastet bleiben soll. Das will das konservative Wiener Publikum sehen. Greift man in einer modernen Inszenierung in die Untiefen der Wiener Zuschauerseele, wird gnadenlos ausgebuht.

    Gott sei Dank gibt es auch ein neuen, revolutionären und provozierenden Ideen gegenüber offenes Publikum – zu dem ich auch mich zähle -, das sowohl moderne als auch alte Inszenierungen zu schätzen weiß!

    Lieben Gruß, Kipet

  5. Josef Meinrad spielte, so lange er konnte, „bis er eines Abends heimkam und sagte, dass er zum ersten Mal in seinem Leben auf den Souffleur hören musste“, erinnerte sich Ehefrau Germaine an jenen Tag im Jahr 1988, an dem er mit dem Theaterspielen aufhörte. „Leicht ist es mir nicht gefallen“, gestand er. Ein paar Fernsehrollen noch, und danach zog er sich ganz zurück.

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