Vom Zauber eines Strassenfestes

Samstagnachmittag. Die Sonne strahlt. Die brütende Hitze zwischen den Häuserschluchten fegt die meisten Menschen scheinbar aus der Stadt. Es ist ruhig. Gespenstisch ruhig? Nein, ein permanentes Hämmern der Bühnenarbeiter macht Lust aufs kommende Straßenfest…

Straßenfeste bringen die Leut ‚zamm! Eindeutig. Schon Tage davor merkt man ein Kribbeln, ein Wurr’ln und Stimmung. Mensch grüßt Mensch auf der Straße. Vorfreude in den Gesichtern. Ein wissendes Grinsen. „Kommst auch?!“

Heurigenbänke und -tische werden aufgeklappt. Gläser klirren. Flaschen werden angekarrt, Bier, Wein, Saft und Mineralwasser. In der Garage steht ein Zapftisch. Kühl ist’s dort. Für Schankleute ziemlich sicher die einzige Möglichkeit diesen heißen Tag zu überstehen.

Die Bühne steht und die Roadies stellen die Drums auf. Bum. Ein Becken fällt auf den Boden. Die ersten Köpfe schauen aus den umliegenden Wohnungen heraus. Freude im Gesicht. Vorfreude. Das Fest steigt. Bald. Man quatscht von einem Fenster rüber in eines auf der anderen Straßenseite, redet mit Menschen, die man sonst nur vom Grüßen her kennt. Leben. Beinahe sizilianisches Flair.

Nach Abchecken der Lage verschwinden die Köpfe wieder in den Wohnungen. Doch die Fenster bleiben offen. Man will hören was passiert. Will jeden Mucks, jeden Knall mitbekommen. Das steigert die Spannung. Die Vorfreude aufs Straßenfest.

Endlich ist es so weit. Das Mirko wird getestet: „Eins, zwo, eins, zwo. Paaaaasst Saschi! Eins, zwo…“ Die ersten Straßenfestgäste erscheinen auf der Bildfläche. So hitzefreundlich wie möglich angezogen. Teilweise kommen sie nur in Badehosen, die Herren dieser Welt. (Dringende Anmerkung ans Karma: „in meinem nächsten Leben komme ich als Mann auf die Welt!“) Die ersten Krügerl gehen über den Ladentisch. Nebenbei stellt eine Truppe Nostalgiker ihren Vinyll-Stand auf. Das große Kramen beginnt. Janis Joplin, Eric Clapton, Georg Danzer und Wolfgang Ambros auf schwarzen Scheiben. Die Augen der Sammler leuchten auf. Weiter hinten zaubert eine Gruppe Kinder gigantische Seifenblasen in den strahleblauen Himmel.

Im Hintergrund beginnt das Tischerlrücken. Bänke werden quietschend über den Asphalt geschoben, das Stimmengewirr wird lauter. Köpfe erscheinen wieder in den Fenstern, grinsen und haben da und dort ihr eigenes Glaserl Bier vor sich auf den Fensterbrettern stehen. Da tritt der Veranstalter auf die Bühne. Sagt die erste Band an. Getöse, Geklatsche, Pfiffe. Sechs Mann und eine Frau stürmen die Bühne, greifen nach ihren Instrumenten, das Mirko kreischt, der Leadsänger haucht einge Male Trommelfell betäubend hinein und legt los…

Gefeiert wird bis in den späten Abend. Fünf Gigs, Vinyll, fröhliche Gäste, Top-Stimmung, Tanzen, Mitsingen und Mitgrölen. Ein bisserl Essen, einiges an Getränken vernichten und jede Menge Plaudereien. So ein Straßenfest ist einfach…wunderbar!

Ein paar Impressionen gefällig?

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Kategorien:Essays, Events, Legendär, Wien

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2 replies

  1. Schade, dass ich keine Zeit hatte!
    Dein Bericht macht richtig Lust bzw. Bedauern nicht dabei gewesen zu sein!

  2. Dieses Straßenfest hat schon fast Kultfaktor. Es fand dieses Jahr bereits zum 5. Mal statt und sogar Anrainer, die sich sonst eher vom Lärm belästigt fühlen, schreiben den veranstaltern lobende Mails. Das zeigt sicherlich von der Qualität der Bands, die heuer dabei waren. Also keine Angst, 2013 gibt’s ein neues Staßenfest mitten im 8ten! 😉

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