Archäologie-Update April 2012

In den letzten Monaten hat sich am Sektor Archäologie einiges getan. Zeit uns wieder einmal auf den Stand der Dinge zu bringen:

1. Vermessung Carnuntums mit neuem Bodenradar
2. Mittelalter-Richtstätte in der Steiermark
3. Ausgrabungen in Aspern

1. Vermessung Carnuntums mit neuem Bodenradar

(c) Archäolog. Kulturpark NÖ Betriebs GmbH

(c) Archäolog. Kulturpark NÖ Betriebs GmbH

Carnuntum – Mekka aller Archäologen im Donauraum. In den kommenden drei Jahren werden rund 10 Quadratkilometer des ehemaligen römischen Militärlagers nahe bei Wien mit einem neuen Bodenradar vermessen.

Sensationsfunde erwartet!
Mit dem neuen Messgerät wurde 2010 nahe Stonehenge das sensationelle „Woodhenge“ und im türkischen Ephesos ein bislang unbekanntes antikes Zentrum lokalisiert. Nachdem im Vorjahr in Carnuntum Reste einer großen Gladiatorenschule entdeckt wurden, erhoffen sich die Archäologen  weitere Sensationsfunde in den Erdschichten des Areals.

Das neue Bodenradargerät ist mit 16 Antennen ausgestattet und gelangt damit in Erdtiefen bis zu drei Metern. Es erstellt dabei ein kleines dreidimensionales Bild, das die Grenzflächen diverser Materialien mit unterschiedlichen elektromagnetischen Eigenschaften sichtbar macht.

Infos zu Carnuntum finden Sie auf http://www.carnuntum.co.at/.

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2. Mittelalter-Richtstätte in der Steiermark

Im Mittelalter wurde gefoltert, verstümmelt, gequält und gemordet – oft zum großen Gaudium der staunenden Menge. Auch in der Steiermark gab es Richtstätten, an denen so mancher Delinquent sein Leben lassen musste.

In der seirischen Gemeinde Oberkurzheim werden erstmals von Rechtswissenschaftlern, Kriminologen, Anthropologen und Archäologen die technischen „Hilfsmittel“ und Foltergeräte der hiesigen Richtstätte genauer untersucht. Die Wissenschaftler erhoffen sich dadurch einen genaueren Einblick in die Rechtsgeschichte des Mittelalters auf österreichischem Boden.

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3. Ausgrabungen in Aspern

(c) stadtarchäologie wien

Pferdeskelett aus der Zeit Napoleons (1809). (c) Stadtarchäologie Wien

Im Zuge der Bauarbeiten des neuen Wiener Stadtteils „Seestadt Aspern“ nimmt sich ein Grabungsteam unter der Leitung der Wiener Stadtarchäologie-Chafen Karin Fischer-Ausserer den Boden des geschichtsträchtigen Areals vor. Man erwartet Funde, die bis in die Ur- und Fühzeit reichen.

Zum Leidwesen der Fachwelt nahmen bereits Hobbysammler mit Metalldetektoren die Aspern-Gründe genauer unter die Lupe. Dabei wurden Münzen und Knöpfe alter Uniformen entdeckt. „Die Funde reichen von der Ur- und Frühzeit bis hin zum Zweiten Weltkrieg“, so Fischer-Ausserer.

Rigiderer Denkmalschutz gefordert
Die größte Problematik bei Notgrabungen wie diesen ist, dass Bauträger nicht dazu verpflichtet sind Untersuchungen durchzuführen. Sollte doch ein Bagger auf archäologische Überrste stoßen, werden sie unfachgemäß „geborgen“ um eine längere Unterbrechung der Bauarbeiten zu vermeiden. Die Fachwelt fordert daher ein rigideres Denkmalschutzgesetz.

„Im Idealfall kommt ein Bauträger im Planungsstadium zur Stadtarchäologie“, so Fischer-Ausserer. Die Archäologen machen den Bauträger aufmerksam, in welchen Bereichen er mit Funden rechnen kann. „Sachverständige prüfen und vereinbaren gewisse Auflagen. Wenn es möglich ist, werden Suchschnitte angelegt und wir schauen in den Boden hinein. Wenn wir was entdecken, beginnen wir mit den Grabungen.“ Laut der Satdtarchäologie-Chefin hat in den letzten Jahren auch bei den Bauträgern ein Umdenken stattgefunden. „Es braucht sich keiner fürchten – wir wollen nicht graben, wenn wir nicht etwas retten müssen…“

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Kategorien:Archäologie, Geschichte, Reisen

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1 reply

  1. Sehr interessant!

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