Ich bin Elevin an der Spanischen Hofreitschule!

Hanna Zeitlhofer machte ihre Leidenschaft zum Beruf: Sie wurde als erste weibliche Elevin an der Spanischen Hofreitschule aufgenommen. Ein Interview…


Unter Kaiser Karl VI. von Joseph Emanuel Fischer von Erlach zwischen 1729–1735 erbaut, ist die Spanische Hofreitschule eines der wichtigsten Kulturgüter Wiens. Von Anbeginn an eine reine Männerdomäne, werden seit der Übernahme Elisabeth Grütlers die Zügel lockerer gehalten. Als erste Frau wurde Hanna Zeitlhofer als Elevin der Spanischen Hofreitschule zugelassen. Kipet fragte nach:

Kipet: War das Arbeiten an der Spanischen Hofreitschule schon immer Ihr Traumberuf?
Hanna Zeitlhofer: Ja, das war schon immer mein Traumberuf. Ich habe mit 7 zum Reiten angefangen und mit 9 mein erstes eigenes Pferd bekommen. Ich bin immer schon viel geritten, später auch Turniere. Ich wollte unbedingt Bereiter werden. Ich will nichts im Büro machen, ich will unbedingt am Pferd sitzen und das für immer! Deswegen war auch die Spanische Hofreitschule ein großes Ziel. Die Ausbildung ist qualitativ etwas Besonderes. Nach der Ausbildung weiß jeder, das war eine harte Schule, diese Leute können wirklich was. Wir werden von Grund auf ausgebildet, sowohl das Reiten als auch die Arbeit mit den Pferden.

Was lernt Ihr da alles? Muss man Reiten können, wenn man sich bewirbt?
Das wirklich reiten Können ist keine Grundvoraussetzung. Man sollte schon mal auf einen Pferd gesessen und seine Erfahrung mit einem Pferd gemacht haben. Wichtig ist, dass man das Talent und die körperlichen Fähigkeiten hat. Das können die Bereiter bei einem Vorreiten herausfiltern. Da wird wirklich geschaut: gibt es eine Möglichkeit, macht es Sinn diesen Menschen auszubilden. Wie viele Turniere man schon geritten ist, ist überhaupt nicht wichtig. Das bringt keine Vorteile.

Sie wurden als 1. Frau, als Elevin in die Spanische Hofreitschule aufgenommen. Wie ging das vonstatten?
Das war Zufall. Das war so: mein Studium war fast beendet, ich habe Pferdewissenschaft studiert, als ich mich im Frühling nach Bereiterplätzen umgeschaut habe. Etwas, was in Österreich eigentlich sehr schwer ist. Ich dachte mir zuerst „Spanische Hofreitschule, das brauch’ ich gar nicht probieren, das ist ja nur für Männer.“ Dann hab ich mir gedacht: „Wurscht, ich schreib einfach eine Bewerbung. Im schlimmsten Fall sagen sie Nein. Oder schreiben gar nichts.“ Und da war ich dann sehr überrascht, als man mich zu einem Gespräch eingeladen hat. Das war im September – und am Tag darauf war Vorreiten und gleich zwei Tage später habe ich angefangen. Das ist Schlag auf Schlag gegangen. Da hatte ich gar keine Zeit zu überlegen.

Wie war das für sie als Frau unter Männern?
Da ich die Arbeit im Stall gewöhnt bin war das nichts Außergewöhnliches. Das heißt die Grundarbeit ist natürlich schon ordentlicher und strenger und disziplinierter als sonst. Aber so war das nichts Besonderes. Die Männer im Stall, das sind alles Kollegen. Da gibt’s nichts.

Die Männer waren also Ihnen gegenüber offen?
Ja, sehr offen. Die haben mich lieb aufgenommen haben mir alles gezeigt und erklärt – wie immer wenn jemand Neues kommt. Bei den Reitern ist es ein bisschen strenger, da gibt es eine Hierarchie. Wenn man das nicht gewohnt ist, ist das anfangs schon ein bisschen einschüchternd. Weil man nicht genau weiß, wie man aufgenommen wird. Gerade die eingesessenen, älteren Kollegen leben von der Tradition. Das hat es anfangs wahrscheinlich schon ein bisschen schwieriger gemacht, mir gegenüber hat es jedoch keiner gezeigt. Ich wurde nicht anders behandelt als die Burschen mit denen ich gemeinsam angefangen habe. Da wird kein Unterschied gemacht.

Wie reagiert das Umfeld auf Ihren Beruf?
Mein Papa ist ein begeisterter Reiter, er ist Freizeitreiter. Den freut das natürlich, dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte. Das ist pure Begeisterung!

Freunde, die selber reiten, sehen das vielleicht ein bisschen „besonderer“. Sie sind begeistert wenn im Fernsehen ein Bericht war und mich gesehen haben…

Ich habe meinen Traum zu Beruf gemacht. Sicherlich sind auch hier einige Dinge dabei, die am Anfang nicht so einfach waren wie zB. dass man auch am Wochenende arbeitet. 40 Arbeitsstunden sind fix und wenn wir Vorführungen haben kommen dann nochmals 8 Arbeitsstunden dazu. Dafür habe ich auch einen Beruf der Spaß macht!

Würden Sie noch mehr Mädels hier haben wollen?
Im Moment haben wir ziemlich viele aufgenommen. Ich würde sagen momentan reicht’s. Es wäre wichtig, dass wir wieder mehr Burschen kriegen. Wir wollen, dass die Tradition nicht ganz verloren geht. Man findet selten Burschen die reiten. Diese kommen dann meistens von Familien wo die Eltern einen Reiterbetrieb haben. Aber sonst … in Wien kenne ich keinen Burschen der reitet. Maximal sind sie Springreiter aber weniger in der harten Dressur zu Hause.

Das Reiten ist ja auch so eine Mädchengeschichte. Zwischen 12 und 16 gehen viele Mädchen reiten.
Oft reiten die Burchen als Kinder oder mit der Schwester, aber die hören dann mit 13-14 auf weil andere Interessen wichtiger werden. Es ist gar nicht so leicht, dass man Burschen findet, die das machen. Deswegen ist eine gute Mischung auch in der Hofreitschule wichtig.

Jetzt müssen wir mal schauen wie weit wir Mädchen kommen. Es ist ja noch nie eine Frau Bereiter geworden. Ich bin im 4. Jahr und die ganze Ausbildung dauert 10 Jahre. Nach den ersten 5 Jahren kommt der Schritt zum Bereiteranwärter, darauf arbeite ich jetzt hin. Und dann kommen weiter 5 Jahre bis zum Bereiter…

Ab wann kann man Sie dann in Vorführungen sehen?
In der Vorführung bin ich schon dabei, aber mit den ganz jungen Pferden. Als Eleve ist es wichtig, dass man mit den jungen Pferden arbeiten lernt. Man muss später junge Pferde ausbilden können. Deswegen hat man anfangs die Pferde, die noch nichts können und mit denen arbeitet man gemeinsam.

Sie werden also gemeinsam groß…
Genau (lacht). Das ist das Angenehme wenn man hier im Stall arbeitet. Man kennt das Pferd im Stall und beim Reiten drüben. Wenn du nur reitest, reitest du den ganzen Tag und hast nicht mehr so viel mit den Pferden im Stall zu tun. Sicher erkennen sie dich, aber so kannst du dich wirklich auch noch um sie kümmern. Und das mache ich auch sehr gerne.

Können sie sich einen anderen Beruf vorstellen?
Nein, überhaupt nicht! Gar nicht. Schrecklich. Am Schlimmsten wäre es im Büro zu sitzen, das könnte ich nicht aushalten. Computer schon gar nicht.

Haben Sie einen Wunsch, ein Lebensziel?
Beruflich möchte ich auf jeden Fall mit Pferden zu tun haben. So lange es geht möchte ich reiten. Das Ziel ist natürlich Oberbereiter, das heißt wirklich so viele Pferde wie möglich ausbilden und zeigen was man kann und wie man mit den Pferden gemeinsam arbeiten kann.

Als Oberberieter bildet man Pferde und Eleven aus?
Genau. Aber auch als Bereiter hilft man bei der Elevenausbildung. Jeder kann ein Bisschen was dazu sagen, jeder hat einen anderen Tipp, ist auf andere bereiche spezialisiert. Man wird in allen Facetten ausgebildet. Das ist gute Teamarbeit – und das muss es auch sein, sonst wird es nicht so gut wie es ist.

Danke für das tolle Gespräch!

Bewerber und Interessenten informieren sich unter http://www.srs.at/tradition/ausbildung/

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Kategorien:Interview, Reisen, Wien

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5 replies

  1. Thank you so much for posting this!!! I’m a huge fan of the SRS and I think it’s wonderful that Hannah was accepted! Do you have any more photos from this photoshoot?

  2. Dear SRSfan,

    yes, I do have more photos, but non from the big show. I just visited the stables and made my interview with Hanna in the tack-room…

    Glad, you liked the story!
    CU Kipet

  3. Okay, thank you very much! 🙂 Danke Schon!

  4. Das wäre in meinen rossnarrischen Teenagerjahren mein absoluter Traumberuf gewesen. Doch damals, vor gut vierzig Jahren, war noch überhaupt nicht daran zu denken, dass Mädchen/Frauen eines Tages einmal derart von Männern dominierte Berufe wie Bereiter bzw. Jockey werden könnten…
    Bei deiner Frage „Wie reagiert das Umfeld auf deinen Beruf?“ musste ich daran denken, dass mich eine Internet-Bekannte mit Vorwürfen bedacht hatte, weil ich mir am Sonntag Pferderennen angesehen hatte – das sei Tierquälerei hoch Zehn, und wie ich mir als kritischer Geist so etwas antun könne…
    Na, ja…
    Ich wünsche dir einen schönen Tag!

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  1. Fair Girls on Grey Horses « If Wishes Were Horses

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