Kinderbrille selbst gemacht!

Bei Dr. Pfleger Optik können Kids ihre Brille selber schleifen!

Ein sensationelles Konzept lockt wöchentlich rund 20 Kids in die offene Werkstatt von Dr. Pfleger Optik (13., Hietzinger Hauptstraße 26): Unter der fachkundigen Aufsicht der angehenden Optikermeisterin Alexandra Radobersky können Kinder ihre Sehhilfen selber machen!

Das innovative Projekt bescherte dem Hietzinger Familien-Biz die von der Wirtschaftskammer Wien 2011 erstmals vergebene Auszeichnung zum „Kinderfreundlichsten Betrieb“ im Bezirk. Wienweit wurde Dr. Pfleger Optik auf den sensationellen Platz 2 gewählt.

Kipet traf sich zu einem kurzweiligen Talk mit Masterbrain Alexandra Radobersky und Geschäftsführer Harald Belyus, MSc.:

Harald Belyus (GF Dr. Pfleger Optik) und "Kinder schleifen Gläser selbst"-Mastermind Alexandra Radobersky

Kipet: Wie kam diese Idee zustande?
Alexandra Radobersky
: Ich hab mir halt gedacht, dass die Kinder mehr Freude an der Brille haben wenn sie sie selber machen. Dadurch ist die Idee entstanden.

Kipet: Was genau machen also die Kids, wenn sie sich die Brille selber schleifen?
Alexandra Radobersky: Dazu nimmt man einen Rohling, ein großes Glas. Ein Automat schleift das Glas auf die gewünschte Form. Dafür muss man einige Schritte davor selber tun – und das machen eben dann die Kinder. Danach setzen sie die geschliffenen Gläser in die Brillenfassung ein.

Kipet: Da gibt’s bestimmt auch ein paar kleine Naturbegabungen, die das handwerkliche Arbeiten sofort im kleinen Finger haben…
Alexandra Radobersky: Man merkt schon Unterschiede. Man merkt, wenn Kinder Zuhause viel selber basteln und so, die machen dann auch mehr. Und natürlich ist das auch eine Altersfrage…
Harald Belyus: Der wesentliche Aspekt ist das Selberbasteln der Brille. Dadurch bekommen die Kinder einen ganz anderen Zugang zu ihrer Sehhilfe. Ein Kind, das seine Brille aufs Aug gedrückt bekommt – wie man sagt so, „die musst du jetzt auflassen…“ – hat wenig Freude. Der Hintergedanke von uns war, dass die Kinder sich spielerisch etwas selbst machen. Was man spielerisch selbst macht, das hat man dann lieb.

Dieses Gerät schleift die Rohlinge zu Brillengläser.

Kipet: Sind Sie stolz auf Ihre Mitarbeiterin, auf ihe Idee?
Harald Belyus: Sehr sehr stolz, das ist eine echte Erfolgsstory!

Kipet: Wie wird das Konzept angenommen, wie viele Kinder machen das im Schnitt?
Alexandra Radobersky: So durchschnittlich 20 Kinder pro Woche!
Harald Belyus: So weit ich weiß sind wir im deutschsprachigen Raum die Einzigen, die das machen. Es war unsere Erfindung. Ich hab das noch nie irgendwo anders gesehen. Wir haben dieses Geschäft eigens dazu eingerichtet. Der eigentliche Trend ist die Werkstatt outzusourcen. Das heißt die Brillen werden bestellt und gefertigt werden sie in einer Zentralwerkstätte, oftmals nicht einmal mehr in Österreich sondern im Ausland. Vor allem bei großen Konzernen wird das aus ökonomischen Gründen so gemacht. Wir hatten immer eigene Werkstätten, aber eigentlich waren die so wie bei den anderen Optikern – eher im Hinterkammerl. Früher war unsere Werkstatt auch da hinten. Die hat man nicht hergezeigt, weil man nur die Fassung präsentieren wollte. Wir haben uns dazu entschlossen für unser Kinderbrillenkonzept, das Frau Radobersky gestaltet hat, die Werkstatt in eine offene Werkstätte umzubauen, nämlich so, dass die Werkstatt das zentrale Element des Verkaufsraumes ist.

Kipet: Wie kommt Ihre offene Werkstatt bei den Eltern an?
Alexandra Radobersky: Die schauen auch gerne zu. (lacht)
Harald Belyus: Die sind auch neugierig. Die meisten Menschen wissen gar nicht welcher Aufwand hinter einer Brillenanfertigung steckt. Ein lustiger Nebeneffekt, den wir kennen gelernt haben ist, dass die Eltern plötzlich mitkriegen: „Aber hallo, da ist irrsinnig viel Handwerksleistung dabei!“ Und sie merken welche Schritte notwendig sind zur Anfertigung einer Brille, dass die nicht fertig aus dem Sackerl kommt. Aber meistens sind Mütter dabei.
Alexandra Radobersky: Doch Väter sind auch dabei!
Harald Belyus: Gott sei Dank! (lacht)
Alexandra Radobersky: Auch die Geschwister kommen her, schauen zu oder dürfen auch Hand anlegen.
Harald Belyus: Bei den Männern ist es so, dass sie an der Technik interessiert sind. Die Mütter kommen in ihrer Mutterrolle mit weil sie die Hauptarbeit an der Aufsichtszeit leisten. Die Männer kommen mit, wenn sie interessiert sind was technisch abläuft.
Alexandra Radobersky: Die fragen auch mehr.

Kipet: Sicherlich machen Sie mit diesem Projekt Kinder auf Ihren Beruf neugierg…
Harald Belyus: Letztendlich zeigt es auch eine handwerkliche und medizinische, physiologische Arbeit dahinter ist. Eine Brille ist kein Handelsprodukt, sondern ein medizinisches, das angefertigt werden muss. Eine Brille ist eine formschöne Sache, kann den Charakter unterstreichen und … was man selber macht, macht einfach Spaß! Auf jeden Fall ist das ein Punkt, den wir jetzt nach einem Jahr Erfahrung wissen: die Kinder haben einen vollkommen anderen Zugang zu ihrer Sehhilfe. Die Kinder wollen die Brille – im Gegensatz zu anderen, die die Brille einfach so kriegen und tragen müssen.

Kipet: Haben Sie selber Kinder?
Harald Belyus: Ich habe zwei Mädchen und meine Kollegin einen Buben.

Kipet: Der Beruf macht Spaß?
Alexandra Radobersky:  Ja, vor allem mit den Kindern.

Kipet: Wollten sie schon immer Optikerin werden?
Alexandra Radobersky: Na ja. (lacht). Na da muss ich gestehen, das war am Anfang nicht so. Aber das ist mit der Zeit gewachsen. Als ich das Vorstellungsgespräch hatte und mir alles angeschaut hab, hab ich mir gedacht „super, man kann verkaufen, hat mit Menschen zu tun aber man macht auch was Handwerkliches.“ Der Beruf ist sehr vielseitig!

Kipet: Wie war die Preisverleihung? (Anm. Kipet: Die Preisverleihung fand im Rahmen des 59. Hietzinger Bürgerballs statt.)
Harald Belyus: Die Verleihung war toll! Wir sind wirklich … stolz ist das falsche Wort … wir freuen uns wahnsinnig! Weil doch der Umbau, das Konzept doch eine ungewisse Sache war und wir wussten nicht ob es angenommen wird. Wenn man eine Vision hat, vor allem, eine die Kinder betrifft und etwas vollkommen Neues ist, und die funktioniert dann auch noch, was ja absolut nicht selbstverständlich ist, ist das natürlich toll … wenn man dann einmal ins Rampenlicht gestellt wird, dann lacht man natürlich umso mehr …

Infos auf http://www.pfleger.optiker.at/

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Kategorien:Interview, Wien

6 replies

  1. Eine tolle Sache!
    Herzlichen Glückwunsch an diesen tollen, kinderfreundlichen Betrieb!

  2. …ich darf da auch mal ran – ans brille-machen! werde natürlich davon berichten, nur wird’s wohl ein bisserl dauern! 🙂

    platz 1 der kinderfreundlichsten betriebe wiens 2011 belegte übrigens diese kinderbuchhandlung in der innenstadt: „KINDERBUCHHANDLUNG KUNTERBUCH; Begründung: Service, Leseecke, Seminare, Geschenke, Ausstattung“. (wer den artikel lesen will, den ich damals „als votingaufruf“ für „kunterbuch“ geschrieben hab, klickt bitte hier.)

    wen’s interessiert, die komplette liste der kinderfreundlichsten betriebe findet ihr hier.

  3. sicher eine gute Sache, den Nachwuchs gut zu behandeln!

  4. …sind ja auch die kunden von morgen! macht also durchaus sinn mit der kundenbindung so früh als möglich zu beginnen…

  5. Die Zeiten ändern sich! Heute schleifen die Kinder ihre Brillen selbst!
    Ist eine tolle Sache. Die Sprösslinge bekommen einen anderen bezug zur Bille!! 🙂 , 😉

  6. Ich finde die Idee wirklich klasse. Wenn ich so zurück denke, Brillen waren immer uncool. Aber wenn man jetzt sagen kann „hei, die hab ich selber gemacht“, kommt das sicherlich ziemlich gut bei den anderen Kids an. Auch passt man auf selbst gemachte Dinge besser auf … Und interessant ist so ein Brilleschleifen oben drein – ich hab den Herrschaften das Versprechen abgenommen bei einem Kinderbrillenschleifen mal dabei sein zu dürfen. Wenn dem so ist, werde ich darüber berichten! 🙂

    … und ein herzliches Willkommen auf meinem Blog! 😉

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