Was Sie schon immer über Waldrappe wissen wollten


Der Waldrapp war bis vor 400 Jahren in den Alpen zu Hause. Heute ist auch  diese heimische Ibisart vom Aussterben bedroht.

Als sozialer Zugvogel muss der Waldrapp im ersten Lebensjahr von seinen Eltern die Zugroute in seine angestammten Winterquartiere lernen. Ist kein Altvogel  zur Stelle, ist der Waldrapp auf die Hilfe des Menschen angewiesen.

Johannes Fritz, Leiter des Waldrappteam.at, gelang es Jungvögel an ein Ultraleichtfluggerät zu gewöhnen und reist mit den Ibissen auf  historischen Flugwegen in ihr Winterquartier in der Toskana. Ziehen diese Tiere Nachkommen auf, können sie die Zugroute der nächsten Generation weitergeben. Die Grundlagen, Waldrappe in den Alpen wieder heimisch zu machen, sind gelegt …

Doch der Ibis ist auch in der Kulturgeschichte immer wieder Thema. Ich sprach mit Artenschützer Michael Schroll unter anderem über die Bedeutung des Ibis‘ in der Kunst:

Michael Schroll, waldrappteam.at

Kipet: Der Ibis ist immer wieder auf kunsthistorischen Gemälden zu sehen. Welche Bedeutung hatte dieser Vogel für unsere Vorfahren?
MICHAEL SCHROLL: Das ist eine ganz wichtige und gute Frage, die Frage nach der kulturellen Bedeutung des Waldrapps. Und die ist je nach Kultur sehr verschieden. Überall wo der Ibis vorgekommen ist, hatte er eine kulturelle Bedeutung, angefangen im Nahen Osten an: Dort zieht der Rapp ziemlich weit – von der Türkei über Syrien und Saudi Arabien und so weiter bis Äthiopien. Das war ein langer Weg. Und da hat es geheißen, dass der Waldrapp ein Vogel im Islam symbolisiert, der den Weg nach Mekka weist. Beziehungsweise war der Rapp der Vogel, der von Noah ausgesandt wurde um nach der Flut Land zu suchen – auch dieses Ziehen war damit thematisiert.
In Ägypten wurden mumifizierte Rappe entdeckt, der heilige Ibis hatte dort in der Antike eine göttliche Bedeutung. Es existiert sogar, das wird jetzt gerade untersucht, eine Hieroglyphe die Waldrapp-Form hat. Was die aber bedeutet habe ich leider vergessen.
Und dann gab’s noch eine Bedeutung in Italien: Die Karnevalsmasken haben Waldrappform.
Sonst in Europa waren diese schwarzen Vögel nicht positiv besetzt. Sie wurden in den mystischen Bereich als Hexenvogel gedrängt. Und er war auch ein Vogel, der ein bisschen den Übergang vom Reich der Lebenden ins Reich der Toten symbolisierte. Sein schwarzes Federkleid war zwar nicht ganz negativ besetzt, aber eher mystisch und man sah den Übergang zum Totenreich darin. Aber gejagt als Hexenvogel wurde er nicht. Er wurde wegen seines Fleisches gejagt. Bis heute kenne ich niemand im europäischen Bereich, der jemas Waldrapp gekostet hat. Aber früher wurde er sehr stark als Delikatesse und als Fastenspeise kredenzt.

Kipet: A propos Speisen: Was steht am Speiseplan eines Waldrapps?
SCHROLL: Waldrappe fressen alle möglichen Bodentiere. Alles was sie finden. Hierzulande werden es größtenteils Regenwürmer sein, und große Larven, Engerlinge bis hin zu größeren Tiere. Es kann bis zur Mäusegröße gehen. Die erwischen sie nur selten. Eidechsen gelegentlich. Und im nahen Osten fressen sie sogar zum Teil kleine Schlangen und Skorpione. Waldrappe sind nicht wählerisch, aber es muss immer im gesunden Bodenbereich sein.

Kipet: Wie groß wird so ein Waldrapp?
SCHROLL: Die Waldrappe sind Hühnergroß wenn sie am Boden unterwegs sind. Aber überraschend groß sind sie im Flug. Sie haben eine Flugspannweite von über 1 Meter bis zu 1,20 Meter. Sie wirken sehr elegant, überraschend elegant, wenn man sie vom Boden her kennt. Viel größer sind sie als eine Krähe, spitzflügeliger, weil sie Zugvögel sind.

 Kipet: … und wie schwer wird dieser Vogel?
SCHROLL: Der Durchschnitt wäre für einen erwachsenen Vogel 1,2 bis 1,3 Kilo.

Kipet: Was zeichnet den Waldrapp aus?
SCHROLL: Die Federn haben schöne schillernde Farben. Und selbst der nackte Kopf, wo die meisten Leute oberflächlich sagen „er ist nicht schön“, selbst der wirkt manchmal sehr nett und elegant. Auch der Blick. Aber wenn man die Augen anschaut, die haben einen sehr sanften Blick.

Informationen auf www.waldrappteam.at

Werbeanzeigen


Kategorien:Interview

  1. Es freut mich, hier auf diesem Blog so interessante Informationen zu erhalten!

  2. Letzte Woche fanden im Wiener Zoo Schönbrunn die Artenschutztage statt. Es war sehr interessant mit den Ausstellern dort zu sprechen und wenn man sich wirklich interessierte, bekam man tolle Informationen, zu denen man sonst eher nicht Zugang hat.

    Ich hoffe, Du findest noch den einen und anderen Beitrag auf meinem Blog, der Dich ebenso interessiert! Viel Spaß beim Stöbern, Wüstenblume!

    LG Kipet

  3. Das Schlimme ist ja, dass man heute schon so weit ist, dass die Frage „was ist nicht vom Aussterben bedroht“ stellen muss 😦

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: