Magic Mushrooms – Ein magisches Quartett

Magic Mushrooms: Tricky Niki, Philipp Ganglberger, Wolfgang Moser, Harry Lucas - (c) Felicitas Matern

Magic Mushrooms kennt der gebildete, schlaflose Donnerstag-Nacht-Fan aus der gleichnamigen Street-Magic-Show im ORF-Fernsehen. Jung, frech und dynamisch, aber vor allem zauberhaft mit einer gehörigen Portion „thrill“ kann man Tricky Niki (Magic Entertainer), Harry Lucas (psychologischer Illusionist), Wolfgang Moser (der Visionär) und Philipp Ganglberger (Mentalist) momentan mit ihrer Show „Täuschungsmanöver“ im Simpl (1., Wollzeile 36) bewundern.

rosarot hat mit Tricky Niki und Harry Lucas ein Interview geführt:

rosarot: Wie lange gibt es Euch schon zu viert?
Tricky Niki: Die Fernsehsendung war 2008, wenn ich mich nicht irre. So in der Formation mit Fernsehen und Simpl – Anfang Jänner 2008. Also wir (sieht zu Harry Lucas) kennen uns untereinander schon länger…
Harry Lucas: Wir kennen uns jetzt schon 15 Jahre…
Tricky Niki: Länger… 16-17 Jahre!

rosarot: War das Zaubern bei Euch schon als Kind ein Thema?
Harry Lucas:
Unterschiedlich. Ich hab sehr früh angefangen. Mein Erstkontakt war als Kind – ein klassischer Zauberkasten (lacht). Und ich bin halt hängen geblieben. Mitte der 20er habe ich mir gedacht, dass die klassische Zauberei, wo man ein Buch oder sonst was verschwinden lässt, im Alltag eigentlich relativ irrelevant ist, dass das keine Bedeutung hat. Mich hat immer interessiert warum Menschen in gewissen Situationen auf bestimmte Art reagieren – ob es da Muster dahinter gibt. Und dann hat mich die psychologische Schiene sehr interessiert. Deswegen habe ich das kombiniert.

rosarot: Und wie hast Du Dir das angeeignet?
Harry Lucas:
Es gibt Bücher darüber. Ganz wenige in Wirklichkeit – im Vergleich zur Zauberkunst, wo es doch viel Literatur gibt. Es gibt Leute, Experten, die sich auskennen, die Seminare geben. Und dazu eben die jahrelange persönliche Erfahrung.

rosarot: Also kannst Du gut „Menschen lesen“…
Harry Lucas:
Auch. Aber das ist überhaupt eine Geschichte, was man braucht, um die richtigen Leute aus der Show herauszuholen. Egal ob das jetzt am Tisch ist oder auf der Bühne, weil man ja will, dass die Show gut wird. Man braucht da Leute, die auch gewillt sind einen Spaß zu haben.

rosarot: Also ich bleib lieber im Dunkel der Menge verborgen und schau zu!
Tricky Niki:
Man nimmt wirklich niemanden heraus wo man sieht, dem ist das unangenehm. Oder man nimmt niemanden wo man sieht, der will unbedingt auf die Bühne. Das sind die, die übertrieben regaieren, die ein bissl versuchen die Show an sich zu ziehen. Kasperl da oben spielen, die will man auch nicht. Aber auch die, die sich unwohl fühlen würden, die stört’s überhaupt nicht, wenn wir sie auf die Bühne holen. Ganz im Gegenteil. Die sind da oben in wirklichkeit die Stars. Und die gehen dann runter und bekommen einen Riesenapplaus. Und das ist im Endeffekt wirklich niemandem unangenehm. Wir tun da niemanden weh. Ganz am Anfang sitzen vielleicht wirklich sehr viele da drinnen, die genauso denken „hmm… hoffentlich sehen die mich nicht an“. Und wenn sie im Laufe der Show sehen sie, dass jeder wirklich als Held von der Bühne runter kommt…
Grad bei mir, bei der neuen Show, da nehme ich zwei Zuschauer herauf. Die bekommen einen Maske aufgesetzt, die werden zu meinen Baurednerpuppen. Diese Masken sind mit einem Seil verbunden und ich kann den Maskenmund damit bewegen.
Aber wir sind sehr unterschiedlich. Ich habe erst mit 19 angefangen. Also bin ganz spät mit der Zauberei in Kontakt gekommen. Und das hat sich von einem Hobby zu einem Beruf entwickelt.

rosarot: Bauchreden, das kann nicht jeder…
Tricky Niki:
Das kann nicht jeder, aber das kann jeder lernen. Es hat ja nicht nur mit der Technik zu tun. Ich bin Hauptberuflich seit über 10 Jahren Zauberkünstler und hab mich da schon sehr in Richtung Entertainment und Comedy, Taschendiebstahl entwickelt. Und das Bauchreden kommt jetzt seit 4 Jahren dazu.
Harry Lucas: 5 mittlerweile schon!
Tricky Niki: Echt? Schrecklich! Die Zeit vergeht. Und das hat auch weil es mich interessiert hat begonnen. Die Technik ist schon wichtig, aber da spielen so viele Faktoren mit. Da brauchst du eine lustige Puppe, da brauchst du den Text, das Spiel mit der Puppe ist sehr wichtig. Dass man nicht die Lippen bewegt, das ist schon mein Ehrgeiz. Viele Bauchredner können das, dass sie die Lippen gar nicht bewegen. Aber in Wirklichkeit schaut jeder auf diese Puppe. Ich habe einen Drachen… (grinst glückselig vor sich hin)

rosarot: In Deutschland gibt es ja gerade diesen erfolgreichen Bauchredner…
Tricky Niki: …den Sascha Grammel, ja (grummelt verspielt vor sich hin, grinst dabei und sagt weiter:). Ärgert mich eh, dass der so viel Möglichkeiten hat in Deutschland.

rosarot: Wie war das mit Eurer magischen ORF-Show?
Tricky Niki:
Wir haben die Fernsehserie gehabt. Da haben wir auch 4 Jahre dafür gekämpft. Dann hat ein englisches Street-Magic-Format, das sehr ähnlich wie unseres aufgebaut war, internationale Preise bekommen. Und auf einmal hat der ORF gesagt – „Moment noch amal, das wär ja auch was für uns!“ – und dann hat die Unterhaltungsabteilung gesagt „da rufen wir mal den Niki an, weil die haben uns ja einmal so ein Konzept abgeliefert.“ Im Endeffekt haben wir es dann gemacht. Es kam auch gut an!
Jetzt sind wir sind seit knapp 2 Jahren im Simpel so gut wie ausverkauft. Die Leute gehen raus und sagen „Hammer, das ist mal ganz was anderes!“
Harry Lucas: Oder: „das gibt’s noch nicht, wir haben so was noch nie gesehen!“
Tricky Niki: Und viele sagen „es ist weitaus lustiger als die Kabaretts, die wir gesehen haben!“ (lacht lauthals mit einem Augenzwinkern auf). Die Leute können staunen, weil sie nicht wissen, wie wir das machen. Es ist einfach diese Kombination, die uns als Magic Mushrooms ausmacht.
Aber es ist schwierig, weil die Leute mit Zauebrei, Zauberkunst was ganz Anderes verbinden. Und damit ist es schwierig es zu vermarkten. Ich verkauf‘ mich jetzt nicht als Zauberkünstler oder Bauchredner, sondern als „Magic Entertainer“, weil wenn du sagst du bist Zauberer…
Das ist tragisch. Es ist das Image, das wir haben. Und leider Gottes berechtigt wenn man sich 90% der Zauberer anschaut, die wir in Österreich haben. Wir machen das auf anderem Level, professionell.
Harry Lucas: „Zauberer…liab…leider sind meine Kinder nicht dabei“, das ist so das was die Meisten dann denken.
Tricky Niki: Da waren zB: High Society mit dem Heinzl. Die waren so begeistert, dass die sogar zwei Beiträge über uns gemacht haben.
Harry Lucas: Die sind am Anfang ganz anders da rangegangen. Die haben gesagt „wir wissen eh, des is eh alles gestellt“ – und nach der Show waren das zwei Beiträge, die wir uns nicht besser hätten vorstellen können!

rosarot: Durch das Fernsehen hat sich aber schon was verändert…
Harry Lucas: Beim Zaubern hat man sehr wenig Vergleiche. Da ist Copperfield auf der ganz großen Bühne und dann weiß man, dass es professionelle Shows gibt. Aber sonst kennt man nur Onkel Peppi, der das halt auch gemacht hat.

rosarot: Und eure beiden anderen Kollegen?
Tricky Niki: Das Schöne an der Show ist, noch dazu in der neuen, dass jeder seinen Platz hat. Im Endeffekt kommen wir alle aus der Zauberszene. Jeder von uns ist professioneller Zauberkünstler, der sich ein bisschen in eine Richtung spezialisiert hat. Der Harry ist psychologische Illusionen, der Philip geht mehr in Richtung Mentalmacht – der haut sich die Nägel in die Nase und solche Geschichten. Der Wolfgang ist ein grenzgenialer Zauberkünstler, der visuell zaubert, unglaubliche Fingerfertigkeit. Und ich bin mehr in Richtung Entertainment gegangen mit verrückten Zauberkunststücken und Bauchreden.
Harry Lucas: Wir sind eine sehr gute Mischung!

rosarot: Harry, Du hast eine 100-jährige Mentalshow in Deinem Repertoire.
Harry Lucas: Das war auch aus der 1. Show. Das ist eine Geschichte, die vor 100 Jahren die Sensation war. Damals sind Leute mit einer Frage, einem Thema, das sie beschäftigt, gekommen. Das kann sehr persönlich sein, aber auch sehr banal. Und meistens waren es sehr persönliche Geschichten. Das wird heutzutage nicht mehr vorgeführt. Im Simpl hat das Publikum an persönliche Fragen gedacht. Das war eine sehr lustige darunter – wenn ich mich erinnere – „woher kommen die Fruchtfliegen?“ Es gab auch persönlichere Fragen, die ich zwar empfangen habe aber auf der Bühne nicht beantworte. Das ist etwas was nicht auf die Bühne ghört in meinen Augen. Ich habe nur die Personen aufgerufen, wo ich mir gedacht habe, dass das jetzt passen würde. Mir macht das großen Spaß das vorzuführen, weil es so speziell ist. Es geht unter die Haut.
Wie der Emil, den alle sehr heiß lieben. (Anm. rosarot: Emil ist ein Drache, eine der Figuren mit denen Tricky Niki sein Bauchrednerprogramm spielt.)
Tricky Niki: (schaut treuherzig drein) Der Emil hat mein Leben verändert! Ich habe einmal ein SMS bekommen: „Wir lieben Emil, du warst auch nicht schlecht!“ (lacht)

rosarot: Die neue Show – was bringt ihr da?
Tricky Niki: In der 1. Show haben wir die Highlights von unseren Soloprogrammen kombiniert und durch den Regisseur auch schön verbunden. Die Leute haben nach einer Fortsetzung geschrien. Und dann haben wir angefangen unsere Charaktere mehr herauszustreichen, uns besser zu positionieren. Die Leute, die beide Shows gesehen haben sagen, die zweite Show ist noch eins drauf.
Und dann fängt man halt an zu suchen, was gar nicht so einfach ist: Ein Kunststück zu viert. Keiner nimmt dem anderen den Fokus weg. Du kannst dich als Zuschauer doch nur auf eine Sache konzentrieren.
Ja, das ist sehr spannend und es ist uns auch gut gelungen. Das neue Programm ist eine Kombination aus „wir bringen euch jetzt zum Staunen“. Es ist unwahrscheinlich unterhaltend. Auf der einen Seite lachen sie, beim Harry ist es oft so „schau mich nicht an“ …
Der Philipp ist in dem neuen Programm ein bisschen weggegangen vom Skurrilen. Im neuen Programm nennen wir ihn „the Brain“, weil er viel mit Rechenspielen macht wo man sagt „aha, wie soll das jetzt gehen“.
Harry Lucas: … ich wünschte, ich hätte all das schon in der Schule gekonnt! Das hätte vieles erleichtert. (lacht lauthals)

rosarot: Ihr habt einen schönen Beruf!
Tricky Niki: Das muss man auch schätzen. Ich wollte ja nie Zauberkünstler werden. Das hat sich bei mir entwickelt. Irgendwann einmal sind die Auftritte mehr und mehr geworden. Und irgendwann sagst du dir, du hast ja keine Zeit mehr für was anderes und eigentlich könnte ich davon leben. Das hat diesen Vorteil, dass nie der Druck da war, du musst jetzt einen Auftritt haben um deine Miete zahlen zu können. Weil es sich von  allein ergeben hat.
Also bei mir hat es sich so entwickelt. Was wir machen ist ja nicht ganz unanstrengend, es ist aber etwas was wahnsinnig viel Spaß macht.
Harry Lucas: Das fällt halt nicht unter „Arbeit“. Das sind alles unsere eigene Dinge…
Tricky Niki: Es hat auch alles mit „zur richtigen Zeit, am richtige Ort“, ein bisschen mit Glück, mit Mut zu tun.
Bei mir, dass ich zur Zauberei gekommen bin, das war Zufall. Das war so, dass meine Mutter sehr lange an Krebs gestorben ist, da hatte ich die Zauberei. Wenn es mir schlecht gegangen ist und meine Mutter wieder im Spital lag, da bin ich ins Zaubergeschäft gefahren und hab mein ganzes Taschengeld ausgegeben. Wäre das nicht passiert, wäre ich nicht zur Zauberei gekommen. Das ist Zufall. Schicksal. Wie auch immer man das nennen möchte.  Ich sag, was machst du gern, und wenn man dabei viel Spaß und eine gewisse Leidenschaft verspürt … das ist unser Geheimnis. Wir leben das ja! Wir leben die Zauberei!

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Kategorien:Events, Interview

2 replies

  1. Hei, die 4 kenn ich! Ich hab sie auch schon gesehen. Die sind wirklich eine Wucht. Muss ich mir unbedingt noch anschauen!

    Und das Interview ist gut gelungen, liebe Kipet! Genauso kommen sie auch auf der Bühne rüber. Ich bin ja ein großer Fan vom Dagobert! *LOL*

  2. SiNa hat mir grad von diesem Blog erzählt – und als großer, gaaaanz großer Magic Mushrooms-Fan musste ich natürlich gleich das Interview lesen. Danke, Kipet, you made my day!
    LG SaFran

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