Ferrara – Das Geschlecht der Estes

Im Jahr 1264 begründete Obizzo d‘Este die Herrschaft der Estes über die Stadt Ferrara. Die folgenden 300 Jahre bestimmte das Haus der Estes die Geschichte der Stadt. Diese politische Wende brachte Stabilität und Reichtum nach Ferrara. Der Hof der Estes zählte zu den prestigeträchtigsten des damaligen Europas.

In den ersten 150 Jahren ihrer Regentschaft wuchs Ferrara. Die Stadtmauern mussten gleich vier Mal erweitert werden. Wirtschaft und Kunst florierten.

Castello d’Estense wird errichtet
1385 kam es wegen einer ausgewachsenen Hungersnot zu einer Rebellion der Stadtbewohner gegen die Estes, die blutig niedergeschlagen wurde. Damit festigten die d’Estes ihren Herrschaftsanspruch auf Ferrara. Nicolò II. d’Este fühlte sich jedoch bedroht und ließ vom Baumeister Bartolino da Novara das große „Castello di San Michele“ errichten. Der Bau wurde zum Symbol der despotischen Herrschaft der Adelsfamilie. Es zeigte die politische und militärische Strenge und setzte jeglichem Kampf um die Herrschaft von Ferrara ein Ende.

Nach Nicolò II. kam sein Bruder Alberto an die Macht. Er liebte die Kunst. Auf ihn geht auch die Gründung der Universität in Ferrara 1391 zurück.

Sohn Nicolò III. regierte Ferrara mit großer politischer Umsicht.  Seine Regentschaft sorgte für Stabilität. Ihm folgten der Reihe nach seine Söhne Leonello, Borso und Ercole.

In Leonellos Brust schlugen die Herzen eines Politikers und das eines Kunstliebhabers. Er versammelte in Ferrara die damals führenden Humanisten wie Guarino da Verona, Angelo Decembrio und Leon Battista Alberti.

Die Estes erhalten Herzogwürde
Borso war ein Mann der Tat. Ein Soldat und ambitionierter Staatsmann. Unter seiner Herrschaft wurde den Estes im Jahr 1471 die Herzogwürde verliehen. Er arbeitete hart am Wohlstand der Stadt. Er förderte die Universität, vor allem die Kunst.

Während einem hart umkämpften Aufstand den Neffen Nicolò, Leonellos Sohn, gegen seinen Onkel und Herrscher Ercole I. anzettelte, floh Ercoles Frau Eleonora von Aragon gemeinsam mit ihren Kindern ins Castello di San Michele. Frau und Kinder sicher in der Burg wähnend, schlug Ercole den Aufstand blutig nieder. Während Ercoles Regentschaft  wurden an der Burg viele dekorative Arbeiten durchgeführt. Auch die Stadtmauern wurden durch den Architekten Biagio Rossetti erweitert. Ercole I. regierte von 1471-1505.

Enge Kontakte zum Papsttum
Sohn Alfonso I. folgte Ercole I. Alfonso war mit Anna Sforza, und in zweiter Ehe mit der berühmt-berüchtigten Lucrezia Borgia verheiratet, der Tochter von Papst Alexander VI. Kriege gegen Venedig (1505) und gegen die päpstliche Armee sorgten dafür, dass Ferrara zu einer nicht mehr wegzudenkenden Polit-Größe heranwuchs. Ebenso verzeichnete die Stadt ein kulturelles Wachstum, was sich vor allem in der reichhaltigen Kunstsammlung der Herzogsfamilie niederschlug.

Alfonsos Nachfolger war Sohn Ercole II., der mit Renée von Frankreich, einer Tochter von Ludwig XII. verheiratet war. Ehefrau Renée nahm großen Einfluss auf das Kunstleben Ferraras. Ihr war es zu verdanken, dass der provinzielle Touch, der Ferrara damals noch umgab, wegfiel. Renée war Calvinistin, was ihr keine Freunde machte, und beherbergte 1536 Clavin selbst in Ferrara.

Während der Regentschaft von Ercole II. wurde die Universität erweitert, Wirtschaft und Wohlstand wuchs, auch wenn die politischen Zeiten für ein kleines Herzogtum wie Ferrara sehr unsicher und gefährlich waren. Der berühmte Maler und Architekt Girolamo da Carpi ließ das Castello d’Estense zu einem Schmuckstück zwischen Burg und Schloss mutieren und stellte sein Erscheinungsbild, wie wir es heute noch sehen, her.

Das Ende der Estes in Ferrara
Alfonso II.
kam nach Ercoles II. Tod an die Macht. Alfonso blieb trotz dreier Ehen ohne männlichen Nachfolger, die Zeit der Estes näherte sich ihrem Ende. Der Herzog unternahm alles um zu verhindern, dass Ferrara nach seinem Tod dem Papst  in die Hände fiel, unter anderem einen Kreuzzug gegen die Türken.

Wirtschaftlich und politisch am Ende machte ein zerstörerisches Erdbeben im Jahr 1570 Ferrara den Garaus. Das Castello d’Estense war schwer beschädigt. Der Herzog orderte seine Restauration an und ließ den spektakulären Spiegelsaal errichten.

1597 starb Alfonso ohne legitimen Erben. Papst Clemens VIII. übernahm Ferrara, die Estes zogen sich ins Herzogtum Modena zurück.

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Kategorien:Geschichte, Italien

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