Wenn der Berg ruft…

…Oder: Aufi muass i so bald nimma!

Sonntag, der 1. August war ein denkbar schöner Tag. Warm, Sonnenschein. Trotzdem lockten mich weder mein sonstiges Baderevier noch eine nachmittägliche Grill-Session bei Freunden. Irgendwie hatte ich den Drang nach Höherem.

Der Muckenkogel lockt
Den Zuschlag zu meinem äußerst unstädtischen und ungewöhnlichen Bewegungsdrang in freier Wildbahn bekam der Muckenkogel bei Lilienfeld, im wunderschönen Niederösterreich. 1.248 Meter hoch, also machbar.

Natürlich durfte nicht zuviel gewandert werden. Das würde meine Großstädterseele nicht verkraften. So ein bisserl halt – zwischen langsamen, gemütlichen Schlendern, Hütteneinkehrschwung natürlich inklusive und dann der gemächliche Abstieg ins Tal. Selbstredend war der Sessellift, der mich bis zum Gipfel beförderte, Pflicht. „Den Abstieg – hah – den Pack ich doch mit links!“

Mit dem Sessellift auf den Gipfel
Nach einer Stunde Autofahrt kamen wir – meine Frau Mama, eine liebe Freundin und ich – am Muckenkogel an. Rauf ging’s – wie geplant – mit dem Sessellift (Sommerpreise bitte hier klicken). Ein komisches Intermezzo gab’s allerdings beim Bezahlen der Liftkarte: Die Dame am Schalter wollte unsere zwei 5-Centstückchen partout nicht annehmen. „Die will dann keiner, die nehm ich nicht.“ Na ja, auch eine gewisse Raffinesse um an ein Mehr an Kohle zu kommen.

Schön gemütlich tuckerten wir mit dem Einzelsessellift zirka 15 Minuten bis zum Gipfel des Muckenkogels. Oben angekommen, bot sich ein prachtvolles Panorama bei Kaiserwetter. Ein Bergparadies, das uns Städter fröhlich aufatmen ließ.

Einkehrschwung in die Lilienfelder Hütte
Eine große Tafel beim Liftausstieg klärte uns über die offenen Berghütten auf. Frohen Wanderermutes stapften wir zur Lilienfelder Hütte. Nach einigen halbseidenen Steilhängen, die im Winter sicherlich traumhaft per Skier zu befahren sind, erreichten wir unseren lukullischen Fixpunkt auf dieser Wanderung.

Voller Vorfreude setzen wir uns im gemütlichen Vorgarten auf eine der Heurigenbänke und wollten etwas zu Essen bestellen. „Leider gibt’s bis auf drei Krapfen nix mehr, wir gehen nämlich auf Urlaub“, freute sich der freundliche Wirt. Seine Aussage freute uns natürlich weniger. Also bestellten wir die Krapfen und ließen uns diese köstlichen Leftovers schmecken.

Planlos ins Tal
Völlig ohne Plan – weil runter geht’s immer – machten wir uns danach an den Abstieg. Viele Wege führen bekanntlich nach Rom, einige davon sogar zum Liftparkplatz des Muckenkogels, wo unser Auto auf uns wartete. Natürlich waren es derer ein wenig zu viele – Wege nämlich. Irgendwie landeten wir auf einem kleinen Pfad mit dem klingenden Namen „Mittersteig“.

Querwaldein über Stock und Stein, durch Gatsch und Matsch, rauf und wieder runter quälten sich meine armen Städterbeine den Muckenkogel hinab. In meinem Kopf mutierte der „Mittersteig“ zum „Bittersteig“ und die 1.248 Meter Berghöhe wurden zu gefühlten 8.000ern.

Schlussendlich, mit wackeligen Knien und verkrampften Wadeln, erreichte ich nach eineinhalb gewanderten und verfluchten Stunden endlich die Zivilisation – Straße genannt! Hätte ich noch Kraft in meinen Knien gehabt, ich wäre auf die Straße gekniet und hätte sie endlos geküsst!

Resümee
Gestern noch hab ich diese Wanderung aus vollem Herzen verflucht. Ich hatte einen Muskelkater wie ich ihn noch nie in meinem Leben gehabt habe. Heute schmerzt es immer noch und bei jedem Schritt sage ich mein neues Mantra: „Keine Schmerzen. Keine Schmerzen. Keine Schmerzen.“ Aber irgendwie bin ich trotzdem stolz meinen inneren Schweinehund überwunden zu haben.

Ob ich den Abstieg vom Muckenkogel demnächst wiederholen werde: Nein, sicher nicht. Aber vielleicht, in einer wirren und wahnsinnigen Stunde, könnte es schon wieder passieren, dass mich der Berg ruft…

Und jetzt gibt’s Fotos:

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Kategorien:Fotostrecken, Reisen

5 replies

  1. Das hast Du wunderbar geschrieben!
    Und ich bin stolz auf Dich, dass Du Deinen inneren Schweinehund überwunden hast!
    Die kurzen Schmerzen vergehen, aber die wunder- schöne Erinnerung bleibt …

    Es war ein wunderschöner und prachtvoller Tag!

  2. Das war sicherlich ein herrlicher Gang.
    Aber: Ihr habt den gleichen Fehler wie alle Touris gemacht: Man geht den Berg rauf und fährt runter. Das ist weitaus schonender für die Gelenke 😉

  3. einen berg HINAUF gehen? NEVER EVER! *gg*
    nein, aber du hast natürlich recht. man geht besser einen berg hinauf als hinunter. das ist mord an der kniescheibe … und was da sonst noch alles dran hängt. bist du ein professioneller bergkraxler?

    • Nein – nur ein Hobby-Wanderer 🙂
      Gehe gerne da rauf – komme nur irgendwie nicht dazu.

      • rauf … und hoffentlich auch wieder runter … *gg*

        also schön war’s da oben schon, und eigentlich war auch das runtergehen im nachhinein gesehen super. nur hast du damit völlig recht: runtergehen ist nur etwas für geübte menschen. also nix für mich. ergo: üb ich erst und geh dann wieder runter. vielleicht auch mal rauf. 🙂

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