Im musikalischen Junkfood-Land

Heureka – ein Interview mit Nicole Janss und Othmar Loschy

Wer sich in Wien die Nacht um die Ohren schlagen will, ist im achten Bezirk, in der Josefstadt, bestens aufgehoben, denn die bunte und lebhafte Beisl- und Lokalszene lässt bei Nachtschwärmern keine Wünsche offen.

Ausgerechnet in der kurzen Skodagasse, nur fünf Gehminuten vom Unicampus entfernt, ist ein kleines Kellerlokal zu Hause, das Heureka. Das Lokal birgt eine unwiderstehliche Mischung an Folk- und Weltmusikkostbarkeiten der Spitzenklasse. Es ist ein Vereinslokal, in dem jeder Musikfan herzlichst willkommen ist. Nebst fetzigen Freitags-Gigs, Lesungen, Filmabende und dem einen und anderen Getränk an der lokaleigenen Bar, kann man in den aktuellsten CD-Würfen aus den Rubriken Folk, Klassik und Weltmusik und auch herrlich in alten Vinyllträumen stöbern und schwelgen.

Über ein paar Kellertreppen gelangt man in ein weit verzweigtes Lokal, dessen Highlight die gemütliche Bar bildet, der ideale Platz um mit dem kongenialen EuRoots/Heureka/HeuRekord-Team Nicole Janss und Othmar Loschy ein Interview zu führen!

Kipet: Das Lokal sieht ja spitze aus. Doch was war denn vorher hier drin?
Nicole Janss: Vor dem Heureka war eine Tischlerei und danach zwei Kirchen drin.
Kipet: Kirchen? Welche denn?
Othmar Loschy: Ja, eine Philippinische und danach eine Afrikanische Kirche.

Kipet: Wie seid ihr denn zur Musik gekommen? Man muss ja eine rechte Leidenschaft dafür aufbringen um einen Verein zu gründen und zu führen…
Nicole: Ich habe Klavier lernen müssen. Das war aber nicht das Optimale. Ich hatte aber einen tollen ungarischen Klavierlehrer, der mir viel über Haydn, Mozart, Beethoven und Schubert erzählt hat. Heute spiele ich vor allem Folk. Alles. Orientalisch, irisch, balkanisch. Alles.
Othmar: Ich habe immer viel Musik gehört. Schon als Kind. Und mit 18 hatte ich meinen ersten Plattenladen.
Nicole: Kurz nachdem ich hier in Wien angekommen bin, war ich in seinem Plattenladen… (dreht sich zu Othmar und lacht)… Du warst Schuld, dass ich nicht Pastorin geworden bin! Ich bin dann in Wien hängen geblieben. (Anm.: Nicole stammt aus Deutschland und studierte damals evangelische Theologie.)

Kipet: Wie kam’s denn dann zu alldem, zum Lokal, zum Namen des Lokals? Heureka kommt aus dem Griechischen und heißt ja „Ich hab’s (gefunden)“. Besteht da irgend ein Zusammenhang?
Nicole (lacht): Damals war der Herbert „Bertl“ Hütter dabei. Wir waren 12 Jahre lang ein Paar. Er war Tontechniker, machte Videos, Multimedia und arbeitete auch beim ORF als Cutter. Wir gründeten den Verein EuRoots 2002, danach gründeten wir ein Kleinstlabel. Der Bertl wollte seinen Namen in dem Namen sehen. Da haben wir so rumgesponnen Hütter – Hü – Heu und daraus entstand dann HeuRekord. Das Label HeuRekord gibt es seit 2001. Damals arbeiteten wir in unserem Wohnzimmer, in der Ottakringerstraße. Das Studio hier gibt es seit 2006.
Othmar: Unsere Vereinsmitglieder sind international. Wir haben auch ein ungarisches Orchester, das bei uns schon CDs aufgenommen hat. Wir haben von Weltmusik über Jazz, Folk auch Klassik in unserem Label vertreten.

Kipet: Ihr habt ja das erst kürzlich stattgefundene Skodagassen Straßenfest organisiert…
Nicole: Das war wirklich gut! Gemeinsam mit den anderen Sponsoren haben wir das 3. Skodagassenfest gemacht. Die Bands waren fantastisch. Wir hatten Bands mit Musikern aus allen Ländern. Alle die am Straßenfest getanzt haben, haben eine Gratis-CD bekommen!

Kipet: Eine der Bands war ja die in Wien nicht gerade unbekannte Tschuschenkapelle.
Nicole: Als die Tschuschenkapelle den zweiten Song gespielt hat, hat es angefangen zu regnen.
Othmar: Binnen fünf Minuten war die ganze Anlage von der Straße weggeräumt, weil die Leute mitgeholfen haben.
Nicole: Die Tschuschenkapelle hat dann im Heureka weitergespielt. Das war spitze! Unser Straßenfest ist an die Bezirksfestwochen gekoppelt und die stehen immer unter einem Motto. Anfangs fanden wir das schwierig anhand der Motti etwas auf die Beine zu stellen. Im ersten Jahr hieß das Motto „8 im 8. Denken“, das war im Jahr 2008. Wir wussten zuerst nicht, wie wir das lösen sollten. Wir haben das dann auf eine Protestbewegung bezogen und wir haben Bands gebucht, die Protestsongs gemacht haben.
Othmar: Heute fragen die Leute von selber an ob sie beim Straßenfest mitmachen können!
Nicole: Was ich dieses Jahr besonders toll gefunden habe war die Musik- und Singschule, der Spatzenchor. Da waren auch Kinder aus verschiedenen Ländern dabei. Die haben sich sehr gefreut bei dem Straßenfest dabei zu sein!

Kipet: Welche Festivals richtet Ihr denn noch aus?
Nicole: Früher habe ich plakatiert, doch das geht heute nimmer. Die ersten Festivals, die wir in Niederösterreich veranstaltet haben, habe ich auch in Wien plakatiert. Aber eine größere Geschichte im Jahr ist genug. Unser erstes Festival in Wien war im 16. Bezirk. 2003 gab’s ein Festival in Haag. 2006 und 2007 haben wir das „Organic Sound Harvest Festival“ in Tullnerbach organisiert…

Kipet: Was haltet Ihr davon wenn man sagt, als österreichischer Musiker hat man es schwer?
Othmar: Musiker sein ist schwer. Dein Video läuft bei Go-TV und alle denken, du hast es geschafft. Aber finanziell hat man das überhaupt nicht. Randmusik kriegst nirgends! Mit kleinen Geschichten, mit 1000 Auflage, kommst nirgends hin.
Nicole: Hotel Palindrone kennt man in unseren Kreisen, ja. Die Musiker können gut davon leben und spielen auf internationalen Festivals.
Othmar: …bei uns kennt sie niemand.
Nicole: Ja, das ist komisch. Sie sind bei uns im Verein. Bei der World Music Exhibition in Europa hab ich Hotel Palindrone nach Borneo verkauft, dort  findet ein großes Rainforest-Festival statt. Damals ging’s bei ihnen los. Es gibt viele österreichische Musiker, die international super unterwegs sind. Aber hier kennt sie keiner.
Othmar: Selbst wenn du in den Charts bist, man kommt eigentlich nur durch die Konzerte ins Biz rein.

Kipet: Wo kann man denn mit der Sparte „Randmusik“ in Wien auftreten?
Nicole: Der Ost Klub ist ein Club für Weltmusik. Der ist europaweit bekannt als der Club, wo man Kletzmer und Balkanmusik, Akkordeonmusik zu hören bekommt. Auch die Sargfabrik ist in dieser Richtung unterwegs. Aber sonst…
Othmar: Auch der ORF erfüllt seinen Kulturauftrag nicht. Da kriegst Musikantenstadl, Silvesterstadl… Und wenn man das Donauinselfest dem Stadtfest gegenüber stellt kann man sehen, dass das Stadtfest riskanter bucht. Die haben die ausgefallenen Geschichten dabei. Das Metropol ist auch nimmer das was es einmal war.
Nicole (lacht): Für mich ist das musikalisches Junkfood und ist eigentlich nicht gesund!

Kipet: Und was plant Ihr für den Sommer?
Nicole: Wir haben im Juli einige internationale Geschichten. Tony O’Connell kommt. Er ist ein Konzertina Spieler aus Irland, der dreimal die irischen Championships gewonnen hat! Und Antonia Wernig. Sie spielt Uilleann Pipes, den irischen Dudelsack. Sie kommt im Juli ins Heureka. Weiters wird der Banjospieler Andy Glandt hier spielen. Und dann wird’s wichtig für mich: meine Band W.i.t.Ch. ist im Endspurt mit der 3. CD, die am 23. Juli in Niederösterreich bei den „Fiddler’s Green“ in Alland präsentiert wird!

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Kategorien:Interview, Music, Reisen

3 replies

  1. beachtenswert!
    trotz offensichtlich vieler hindernisse sind diese leute gut drauf und tun das, was ihnen gefällt und für sie wichtig ist.
    fein!
    weiterhin – viel erfolg!

  2. as the translation dind’t work 100% and made some strange wordcreations. but i am not even better than google-trans. *gg*

    interesting people. must work hard for their dream …

  3. Nicole und Othmar waren tolle und lustige Gesprächspartner und wie immer habe ich viel Neues dazu gelernt. Ich bewundere Menschen, die für das leben was ihnen Spaß macht!

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