Bloody Sunday

Der Untersuchungsbericht ist nach 38 Jahren endlich da!

Derry/Nordirland, 30. Jänner 1972: Dieser Tag ging als „Blutsonntag“ („Bloody Sunday“) in die Geschichte Irlands ein. Soldaten der britischen Armee schossen damals wahllos in eine Gruppe Demonstranten. 14 unbewaffnete Bürgerrechtskämpfer starben, darunter mehrere Jugendliche. 13 weitere Demonstranten wurden verletzt.

Ende der 60er Jahre begann die katholische Minderheit Nordirlands in Derry gegen die protestantische Provinzregierung zu demonstrieren. Sie forderten Gleichstellung bei den Wahlen, bei der Vergabe von Sozialwohnungen und Jobs. Viele Jugendliche schlossen sich damals der IRA, der irisch-republikanischen Armee an, die selbst vor Bombenterror in der Heimat nicht zurück schreckte.

Bloody Sunday
Um der Lage Herr zu werden, entsandte die britische Regierung ihre Truppen nach Derry. Das ursprüngliche Ziel, die Katholiken vor den protestantischen Paramilitärs zu schützen, ging im „Bloody Sunday“ regelrecht baden und die britische Armee wurde zum Symbol des Hasses.

Die Soldaten beharrten darauf, dass die Demonstranten in Derry das Feuer auf sie eröffneten und sie lediglich zurück schossen. Ihre Aussagen standen im krassen Gegensatz zu jenen der anwesenden nordirischen Demonstranten und deren Angehörigen. Tatsache ist, dass nach dem Befehl zur Feuereinstellung 100 weitere Schüsse von den Soldaten abgegeben wurden.

Die Ereignisse des „Bloody Sunday“ spielten in der Geschichte des irischen Bürgerkrieges eine wesentliche Rolle.

Briten entschuldigen sich
Am 14. Juni 2010 entschuldigte sich erstmals der britische Premier David Cameron bei den Hinterbliebenen: „Was geschah, war unverantwortlich, falsch und nicht zu rechtfertigen!“

Die Ergebnisse des 5000-Seiten starken Untersuchungsberichts, angeregt im Februar 1998 durch den Ex-Premier Tony Blair, wurden von tausenden Menschen in Derry bejubelt. Schuld an dem Blutbad habe eindeutig die britische Armee. Den Todesschützen von damals droht heute, 38 Jahre später, ein Gerichtsverfahren…

Zusatzinfo:
Der 30. Jänner 1972 arbeitet noch heute in den Herzen der Iren. Immer wieder kommt in den Pubs das Gespräch auf den „Bloody Sunday“. Auch die Popgruppe U2 nahm sich diesen Tag zum Thema und schuf die Hymne „Sunday, Bloody Sunday“:

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Kategorien:Geschichte

2 replies

  1. Das freut mich für die Iren!

    Ich denke immer wieder gerne an meine Reise nach Irland zurück.
    Bemerkenswert habe ich den Besuch im Gefängnis dieser Zeit, dem „Kilmainham-goal“ empfunden.
    Wenn ich mich an die Erzählungen beim Besuch und Rundgang erinnere kann ich mir sehr gut die Freude der Iren vorstellen!

  2. Ich habe gestern auch mit einem britischen Freund darüber gesprochen. Er findet gut, dass endlich die Wahrheit ans Tageslicht gekommen ist – vor allem von britischer Seite her. Trotzdem meint er, dass da sicherlich noch einiges zu bewältigen sein wird, da für die Iren die Ereignisse in Derry damals sehr prägend waren.

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