Ich mache weiter!

Wiener Zettelpoet Helmut Seethaler wegen Sachbeschädigung zu zwei Monaten bedingter Haft verurteilt – Urteil noch nicht rechtskräftig

Seit 35 Jahren sind Helmut Seethalers Pflück-Texte aus dem Wiener Stadtgeschehen nicht mehr wegzudenken. Seine Gedichte regen zum Nachdenken an, rufen zum Revoluzzen auf, provizieren. Beschimpfungen, Bespuckungen, Schreiduelle, Verhaftungen stehen bei ihm an der Tagesordnung.

Seethaler sieht seine Beschriftungen weder als Graffitis noch verunstaltet oder zerstört er Hausmauern oder privates Eigentum. Er nutze lediglich den öffentlichen Raum für seine Kunst. Dazu gehören auch Steinplatten und Gehwege, Holzwände vor im Umbau begriffenen Bahnhöfen und Abrissobjekten. Gerade Gehsteige sind oft genug mit Kaugummiresterln und Hundstrümmerln ver(un)ziert. Und das zeigt niemand an? Seethaler besteht darauf: er verwendet ausschließlich abwaschbare Textmarker, die nach einem Regenguss und etlichen Fußgängern so und so kaum mehr sichtbar seien.

Letzten Herbst entdeckte ein Wachmann des Museumsquartiers (MQ), dass 13 Steinplatten des Vorhofes mit  einem Textmarker verunstaltet waren: http://www.hoffnung.at und eine Telefonnummer. Das MQ erstattete Anzeige gegen „Unbekannt“.

Seethaler vor dem Prozess - die Medien sind immer dabei!

Am 18. Februar 2010 wurde Helmut Seethaler am Straflandesgericht Wien der Prozess gemacht. Seethaler bat vor der Urteilsverkündung um „Freispruch im Sinne der Freiheit der Kunst“ und war von dem Urteil doch überrascht: Richterin Andrea Wolfrum erachtete es als erwiesen, dass Seethaler die Steinplatten des MQ beschrifet habe und verurteilte den Poeten zu zwei Monaten bedingter Haft. Das Urteil ist jedoch nicht rechtskräftig, Seethaler meldete noch im Verhandlungssaal Berufung an.

Der entstandene Sachschaden beträgt 250-300 Euro für jede auszutauschende Steinplatte.

Kaum dem Verhandlungssaal entkommen, versprach Seethaler weiterzumachen, denn „das ist mein Job!“ Sprachs, kniete nieder und beschriftete den Fußboden des Landesgerichts mit http://www.hoffnung.at, seiner Telefonnummer und dem zusätzlichen Schriftzug „Kunstverbreitung bringt mi ins Häf’n“. Die anwesende Polizeiwache stand schmunzelnd daneben …

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Kategorien:Online-Journalismus

15 replies

  1. Danke fuer den sachlich-korrekten bericht.
    Bin nun schon ziemlich bedrueckt wegn der naechsten bald kommenden verurteilungen. Da heisst dann logischerweise: unbedingt. Und net nur 2 monate haft.

    Mehrere zeugen der verhandlungen – darunter auch 2 journalisten erstatteten anzeige gegen die richterin:
    1. Zog sie ein gedrucktesd vorgefertigtes urteil aus ihrem ordner! Wozu dann verhandeln? Wenn alles vorhher ausgenacht wurde.
    2. Der zeuge war von anfang im saal. Auch nach der aussage. Das ist. Verboten

    • Das war ja net das einzige, was in der Verhandlung falsch gelaufen ist! Der einze Zeuge, der Mitarbeiter vom MQ, war bevor er einvernommen wurde ebenfalls im Verhandlungssaal anwesend. Das ist nicht korrekt!

      Und die Gerichtsschreiberin hat bei der Aussage des Gutachters/Graphologen auch nicht von Anfang an mitgeschrieben, sondern erst, als die Richterin ihr anscheinend einen kick unterm Tisch gegeben hat. Diese Aussage ist also auch nicht komplett Wort für Wort mitgeschrieben worden.

      Herr Seethaler, ich finde es schlimm, was man da gegen Sie veranstaltet. Ich wollte den Bericht ja viel emotionaler schreiben, aber das wäre dann auch nicht sachlich korrekt gewesen …

      Ich drücke Ihnen für den nächsten Durchgang fest die Daumen! Bitte lassen Sie es uns wissen, wann diese Verhandlung stattfinden wird, damit ich dabei sein kann!

      Herzliche Grüße und danke für Ihre Wortmeldung!

      Kipet

  2. Bin wohl gewohnt, dass i in zeitungen steh. Aber soviel wie heut warens no nie. Dutzende in ganz europa. Und net nur in online ausgaben. In den printmedien. Dazu auf 3sat und ard portraits ueba mi. Und seit gestan mittag nach meiner verurteilung gabs 118 mails aus aller welt. Viele davon einladungen zu kunstaktionen ohne polizei- und gerichts-einmischungen. Und 10 weitere interview-anfragen. darunter auch BBC und ZDF. Ausserdem macht man seit 1 monat eine im herbst in die kinos kommende lange doku.
    Helmut seethaler. 0043 1 330 37 01. Um weiterzu(k)leben PSK 7 975 059

  3. Bin wohl gewohnt in zeitungen zu stehn. Aber soviel wie nach meiner verurteilung warens no nie.
    Mehr als 40 aus ganz europa schreiben darueber net nur online, die meisten in printausgaben. Innerhalb von 36 stunden gab es 155 mails und anrufe und sms.
    Von den tausenden postings an diese medien gar net zureden. Die sind z.t. sehr seltsam.
    und nun sind bereits wieder 11 anfragen zu interviews…

    Darunter auch ganz beruehmte medien aller art. Auf 3sat und ard war ich. Am di. Und donn.

    Und: 5 einladungen fuer kunstaktionen in anderen staedten garantiert. Ohne polizei und gerichtseeinmischungen……

  4. Was bedeutet denn überhaupt „bedingte Haft“? Das klingt irgendwie so unfertig…

    Manchmal ist das „Recht“ schon seltsam. Sie, Herr Seethaler malen mit abwaschbaren Stiften und sollen ja wohl anscheinend 2 Monate ins Gefängnis und die Sprayer bekommen gar nix – außer vielleicht ein wenig Sozialarbeit… 😦

    Ich drück Ihnen ebenfalls die Daumen, dass es gut für Sie läuft.

    • das alles ist auch „unfertig“. herr seethaler hat sofort berufung eingelegt und geht dann mit seinem anwalt in die 2. instanz. wenn er dort abermals verurteilt wird, droht ihm tatsächlich eine längere haftstrafe.

      die sprayer bekommen deswegen nix, weil man sie nicht erwischt – oder selten. und die müssen dann eben, wie du richtig sagst, sozialdienst verrichten und/oder die hausmauern, die sie besprayt haben, sauber machen. wie auch immer.

      das problem ist, dass die justiz herrn seethalter einfach nicht klein kriegt. dann greift man halt zu anderen mitteln. ganz schräg jedenfalls, dass ausgerechnet der „tempel der modernen kunst“ herrn seethaler angezeigt hat. das sollte man von einem ort der kunst nicht annehmen müssen. traurig. wieder mal ein künstler, dem die „klappe“ zugeklebt wird. wenn’s sein muss, mit zwang und rechtssprüchen.

  5. 2 (folgen)schwere fehler der richterin in der verhandlung am wiener landesgericht Gegen kuenstler helmut seethaler

    Wegen schwerer Sachbeschaedigung Durch schreiben von Gedichten auf den gehsteig vorm Wiener museumsquartier

    Do. 18.2.10 | 11 h | Saal101/1.st
    Richterin mag. Andrea wolfrum
    Aktn. 37 st 381/09 f

    1. Der zeuge des museumsquartiers sass von anfang an in der verhandlung und blieb auch nachher dabei. Ersteres ist verboten….

    2. (Skandalöser)Fehler: Richterin nahm ein vorgefertigtes, in druckschrift verfasstes urteil mit langer begruendung aus den akten und verlas es. Wozu verhandeln, wenn die verurteilung vorher feststeht bzw. Ausgemacht ist?

    Mehrere zeugen, darunter 2 journalisten, machten mich drauf aufmerksam und bezeugen das.

    Helmut seethaler
    http://www.hoffnung.at

    1200 wien
    Wasnergasse 43/8

  6. Nach 37 jahren verbreitung meiner gedichte muss ich nun dafuer ins gefaengnis: fuer beschreiben des gehsteigs mit abwaschbarer farbe vorm wiener museumsquartier wurde ich vom museumsquartier wegen schwerer sachbeschaedigung angezeigt: Ich bekam 2 monate bedingt.

    Da ich wegen gleicher taten heuer noch oft vor gericht stehe und weitere schuldsprueche zu erwarten sind, bedeutet es, dass ich bald lange haftstrafen absitzen muss. Das schaff ich nicht. Das ueberlebe ich nicht.

    helmut seethaler
    A 1200 wien
    Wasnergasse 43/8

    http://www.hoffnung.at
    0043 1 330 37 01
    hseethaler@gmx.at

    Solang ich noch da bin:
    Weitere gedichte auch per post fuer
    einen kleinen schein:
    PSK 7 975 059

    • Ich kann nur sagen: nicht aufgeben, Herr Seethaler. Die Verhandlung steht noch aus, und die krassen Verfahrensfehler in der voran gegangenen werden sicherlich dabei zur Sprache kommen.

  7. Erst gestern habe ich wieder sinnlose – wirklich sinnlose – Graffiti-Kritzeleien an einer neu gestrichenen Hauswand entdeckt. Ich frage mich, wo bleibt hier die Gerechtigkeit. Was Herr Seethaler macht hat Sinn (und stört und zerstört nichts und niemanden – wäscht sich über die Zeit hinweg selber wieder aus).

    Diese einfachen Graffiti-Schriftzüge aus reinem Vandalismus geboren, die bleiben ungestraft. Graffiti als echte Kunst finde ich wunderschön, nur kaum lesbare schriftzüge ohne Zier, die gehören WIRKLICH bestraft!

  8. Stets neue FRAGEN
    Stellen
    Und niemals sich
    Mit alten ANTWORTEN
    Troesten lassen

    Sonst kommt
    (wieder) eine zeit
    In der wenige
    Auf alles
    Fuer alle
    Eine antwort
    Geben (duerfen)

    Und wir alle
    All unsere fragen
    Vergessen(muessen)

    Helmut Seethaler

    BALD gibt es
    Keine anderen werte
    Als die
    die man uns
    einredet

    Weil wir
    nicht fragten
    Ob es
    Keine anderen
    Werte gibt
    Als die
    die man uns
    Einredete

    hseethaler@gmx.at

    Sich wehren
    Zu rechter zeit

    Um zeit zu bewahren
    Fuer sicheres recht

    hs

    42.Denk-Zettel

    Wir haben keine
    Feinde in einem
    Anderen land

    Wir haben feinde
    Im eigenen land:

    Die
    Die uns einreden
    Wir haetten feinde
    In einem
    Anderen land

    Helmut seethaler
    A 1200 wien
    Wasnergasse 43/8

    Weitere texte auf zetteln
    die von baeumen sauelen und waenden
    gepflueckt werden
    koennen:
    Bis amtliche und private kunst-vandalen es
    brutal beenden
    Und tausende anzeigen erstatten.
    Nach tausenden strafen 1.instanz
    Machte ich tausende
    Berufungen:
    Es gab tausende
    Freisprueche.
    ABER seit kurzem ist ALLES ANDERS!

    Jede berufung verliere ich und die strafen werden immer mehr und hoeher. !
    Demnaechst sogar mehrere monate gefaengnis!

    ANGST, das nicht zu ueberleben………….

    Um vorerst noch
    weiter(zu)kleben
    PSK 7 975 059

    Damit
    Die einen
    In ruhe gewinnen

    Lenkt man
    Die anderen

    Mit vielen spielen
    In denen auch sie
    Zu gewinnen glauben

    Davon ab
    Dass immer
    Dieselben
    Gewinnen/verlieren

    Helmut Seethaler
    0043 1 330 37 0

  9. Naechste verhandlung

    Gegen strassen-poet

    helmut seethaler:

    Di. 16.3. 9 uhr-
    saal 206 /2.st.
    Landesgericht wien

    8.Wickenburggasse 22

    Berufungsverhandlung wegen verurteilung von 2009.
    (Sachbeschaedigungen)

    Damals gings um beklebung+beschreibung des abrissbahnhofs WIEN-MITTE!

    Vorallem am desolaten gruenen plastikboden im durchgang zur flughafenbahn waren ueber 50 seethaler-gedichte zu lesen.

    Die aber durch zehntausende darueber gehende leute in wenigen tagen stets verblassten:

    Jeden 3. Tag schrieb daher helmut seethaler neue worte auf den boden….

    http://www.hoffnung.at

    0043 1 330 37 01

    hseethaler@gmx.at

    ..Aktuelles ueber ihn auf facebook+twitter
    .
    .

  10. Neues vom Zettelpoeten:

    Nobelpreisträgerin unterstützt Zettelpoeten – Artikel auf wien.orf.at – hier klicken.

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