Nofretetes Büste – eine Fälschung?

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Der Hieroglyphenname der Pharaonin Nofretete – die korrekte Übersetzung wäre: Neferneferuaton Nefertiti, was im altägyptischen Schön sind die Schönheiten des Aton, die Schöne ist gekommen heißt. Oder kurz: Nefertiti.

Sie gilt nach wie vor als schönste Frau der ägyptischen Antike. Nofretete, Gattin des als Ketzerpharao bezeichneten Echnaton, oder Amenhotep IV. Nofretete lebte im 14. Jh. v. Chr. Warum man diese Dame überhaupt kennt ist ihrer unvergleichlichen Büste zu verdanken. Die Büste wurde 1912 von Ludwig Borchardt entdeckt.

Schon damals wurde gemunkelt, dass das Kunstobjekt zu gut erhalten sei, Gips und Farben einfach zu prächtig wären um wirklich aus altägyptischer Zeit zu stammen. Böse Zungen behaupteten sogar Borchardt habe die Büste selbst herstellen lassen.

Jetzt ist ein Buch erschienen, das genau diese Theorie der Fälschung aufgreift. Stierlin, ein renommierter Altertumsexperte und Fotograf, publizierte sein neuestes Werk: „Le buste de Néfertiti – une imposture de l’égyptologie?“ (Die Büste der Nofretete – ein Betrug der Ägyptologie? Erschienen im Infolio-Verlag, Schweiz).

Ein weiteres Buch von Erdogan Ercivan bezweifelt ebenfalls die Echtheit der Büste der Nofretete: „Missing Link der Archäologie“ (Erschienen im Kopp-Verlag, Rottenburg a. N.). Das Buch kreidet mehrere Funde an, darunter auch jenen der Büste der Nofretete. 

Ist wirklich etwas an den Theorien, die beide Autoren aufstellen, dran? Denn eines ist klar: Eine exalte und zuverlässige Altersbestimmung der Büste ist nach wie vor nicht möglich. Und: Kann Gips wirklich die Zeit so lange und gut erhalten überdauern? Bekannt ist, dass sich unter der Gipshülle eine weitere Büste aus Kalkstein befindet. 

Ebenfalls mischen sich Laien in dieses Thema ein: Das Abbild entspräche dem Schönheitsideal Mitteleuropas exakt zur Jugendstilzeit.

Tatsächlich ist Nofretetes Büste das am besten durchleuchtete Standbild der Welt. Was auch immer am Ende sich als Wahrheit darstellt, die Büste selber – ob aus dem 14. Jahrunder vor Chr. oder dem 20. Jahrhundert nach Chr. – ist ein Kunstwerk für sich.

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(Quelle: welt.de)



Kategorien:Archäologie, Buch-Tipp, Forschung, Geschichte

  1. Hab heute auch darüber gelesen und mich auch wieder gewundert. Aber ist es nicht egal, von wann diese Büste stammt? Sie ist klassisch schön und ist es wirklich so wichtig, ob wir heute wissen, wie Nofretete ausgesehen hat? Fakt ist doch, dass sie damals als die schönste Frau galt. Ob das nach unseren heutigen Anschauungen genauso wäre, ist doch nicht mehr wichtig. Jede Zeit hat ihre Ansichten, was gerade „in“ und schön ist und was nicht.

    Frage? Was ist schön? Empfindet nicht jeder nicht was anderes darunter? Und wie ich finde, sind doch die inneren Werte, die „jemanden“ als schön empfinden lassen. Warum? Weil er dann nach außen strahlt.

  2. Im Sinne der Ästhetik kann ich Dir nur beipflichten, werter Götz!

    Aber im Sinne der Archäologie gibt’s nur ein dickes, fettes, megalautes NEIN, die ganze Causa ist nicht egal!

    Sagen wir mal so, das Aussehen einer antiken Person selber könnte man aus archäologischer Sicht mal außen vor lassen. Aber wenn jemand (Archäologe oder nicht) einen Fund fälscht, der wie jene Büste der Nofretete in die Geschichtsschreibung Einzug hält, ist das Rufmord.

    Schon in den Anfängen der Buddel-Lehre (Archäologiestudium) lernt der Eleve: immer registrieren, immer Beweise suchen, immer checken – kurz: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste -, und das ganz dicke Archäologen-NONO: NIEMALS, never ever Fälschungen herstellen!

  3. Da pflichte ich dir unbesehen bei, Fälschungen sind das Übel jeder Zeit.
    Jedoch, ging ich nicht auf die Fälschung sondern nur auf die Schönheit ein.
    Meine Frage hier: „Egal, um welches Falsum es sich handelt, es wird nie an das Original heran reichen“

  4. also. ich selbst bin kein archäologe.
    bin aber immer SEHR an altertümern interessiert.
    somit kann ich auch verstehen, dass aus archäologischer sicht eine fälschung etwas total verpöntes ist.

    zu diesem beitrag kann ich nur ein buch anführen, das ich mit etwa 13 – 14 jahren in der bibliothek meiner eltern fand gelesen und geradezu verschlungen habe. es hat mich damals ungemein fasziniert.

    dieses buch heisst „sinuhe der ägypter“ und handelt von einem arzt, der bereits vor unvorstellbar langer zeit hirn operationen durchgeführt hat.

    unter anderem liest man auch von einer „nefernefernefer“ deren name mich sehr an die unterschiedlichen namen der „nofretete“ erinnern.

    schön, gelesenes aus der jugendzeit in dieser form mit meiner phantasie vielleicht in einen form des zusammenhangs bringen zu können!!

    http://de.wikipedia.org/wiki/Sinuhe_der_%C3%84gypter_(Film)

    Inhalt :
    Der Film (und auch das buch …) erzählt die Lebensgeschichte des ägyptischen Arztes Sinuhe, der es schafft, aus ärmlichen Verhältnissen bis zum Leibarzt des Pharaos Echnaton aufzusteigen. Nach dem Ende der Regentschaft Echnatons fällt er in Ungnade, wird vollkommen mittellos und muss fortan im Haus des Todes Verstorbene einbalsamieren. Nach der Thronbesteigung seines Freundes Haremhab, der unter Echnaton Feldherr war, wird er begnadigt und verlässt Ägypten. Er bereist Griechenland, Babylon und andere Regionen der damaligen bekannten Welt; schließlich kehrt er als alter Mann nach Ägypten zurück und beginnt seine Lebensgeschichte aufzuschreiben.

  5. Oh….Sinuhe, der Ägypter ist wirklich ein total lesenswertes Buch, dieser Meinung schließe ich mich an. War lange mein Lieblingsbuch 😉

  6. Erdogan Ercivan… *hehe* altverdientes Mitglied der AAS. Da kann ich mir schon fast denken, was er in seinem Buch schreibt. 😉

  7. „Missing Link der Archäologie“ ist eines der Besten Bücher über Archäologie: Ercivan gelingt eine akribische Beweisführung, die im Fall der Nofretete-Büste wie folgt abschließt:
    „Die Wahrheit ist, dass die neuesten computertomographischen Untersuchungen an der Nofretete-Büste mehr Fragen aufgeworfen haben, als sie abschließend beantworten konnten. Die Experten sind sich bei der nach wie vor `faszinierenden`Plastik nicht mehr sicher, ob sie wirklich die Königin an der Seite des Echnaton darstellt oder doch nur ein raffinierter Betrug ist. Warum soll man etwas wissen, was keine der Parteien wirklich weiterbringt? Schließlich geht von der Nofretete-Büste immer noch eine große Ausstrahlung aus, die die Besucher in nicht unbeträchtlicher Zahl beinahe magisch anzieht. Wer will schon riskieren, diesen Besucheransturm versiegen zu lassen? Meiner Ansicht nach könnte man die Nofretete-Büste trotz ihrer Entlarvung immer noch ausstellen, weil sie inzwischen selbst zu einem Museumsstück gereift ist, das man jetzt erst recht sehen will. Ein Faktum wird es immer bleiben, dass Ludwig Borchardt mit der Nofretete-Büste anfänglich nicht die Amarna-Chronologie verfälschen, sondern einem Finanzier seines Aufenthalts in Ägypten nur eine Freude bereiten wollte. Das die Angelenheit anschließend eine besondere, nicht mehr kontrollierbare Eigendynamik entwickelte, konnte Borchardt nicht ahnen. Im Sinne der Archäologie ist die Nofretete demnach auch keine `Fälschung`, sondern möglicherweise nur ein nicht archäologischer Gegenstand. Sie besitzt einen unübersehbaren `Fehler`: das Antlitz einer weißen europäischen Frau.“

    Sollte schon jeder selbst lesen um sich eine objektive Meinung darüber zu bilden.

  8. Hallo Henkel J., willkommen auf meinem Weblog!

    Und danke für Deinen Kommentar! Ich bin gespannt, ob wir es noch erleben werden, dass die Wissenschaftler Klarheit über die Echtheit von Nofretetes Büste bekommen. Ein äußerst spannendes Thema. Fälschungen herzustellen, die in eine Zeit hineinspielen, in die man heute nur schwer schauen kann um sie zu überprüfen, dürfte ein gern gespieltes Spiel sein. Wie oft liest und hört man von genialen Fälschungen, die erst nach jahrelangen Forschungsarbeiten als solche enttarnt werden konnten.

    Der Auszug aus dem Buch von Ecrivan liest sich jedenfalls sehr interessant.

    LG Kipet

  9. Hallo Kipet,

    wenn wir nur mal auf das 2005 und den Skandal mit dem Getty-Museum in New York zurückblicken, wo unzählige gefälschte Artefakte aus Griechenland als Fälschungen entlarvt wurden, ist es gar nicht so abwegig, dass es noch weitere unentdeckte Fälschungen gibt, die noch auf ihre Enträtselung warten.

    Darunter fallen dann bestimmt auch solche berühmte Museumsstücke wie die Nofretete-Büste. Bei der Betrachtung dieser Fälle brauch gar nicht polemisiert werden, wie es einige Kommentatoren hier machen. Vor einer objektiven Auseinandersetzung sollte sich der Archäologie-Interessierte nicht drücken sondern einen vernümftigen Sachbeitrag leisten.

    Schöne Plattform – mach weiter so!

    Liebe Grüße zurück

  10. schön, diese gedankenaustausche zu lesen!

    danke dafür. erweitert den horizont, wenn man selbst zwar an alten dingen sehr interessiert, aber selbst nicht in einschlägigen berichten kramt!

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