Ein Abend, ein Kuss und Erinnerungen

Ein nettes Essen unter Freunden – in einem guten Restaurant in schönem Ambiente. Wir lassen unseren unlängst gemeinsam verbrachten Urlaub Revue passieren. Fotos werden ausgetauscht, auch selbst gebrannte Foto-CDs. Lustige Gespräche, Erinnerungen, ein Wohlfühlen. Dann der Abschied, schnell und schmerzlos, wir sehen uns so und so bald wieder.

Kuss

Meine Freunde nehmen den 46er Richtung U6 oder weiter führend. Ich nehme den 5er. Diesmal muss ich nicht lange warten und meine Bim ist da. Ich steige ein, setze mich nieder. Mir gegenüber sitzend, plaudert eine Afrikanerin via Handy mit ihrer Familie oder mit Freunden. Auf dem Dreiersitz hat ein älterer Mann Platz genommen. Er dürfte an Parkinson leiden, weil er mit dem Kopf ständig wackelt.

Die Afrikanerin lacht laut auf. Wir fahren in die nächste Station ein. Ich entdecke ein Pärchen auf der Wartebank, mit einander schmusend, als gäbe es kein Morgen. Der Zugführer öffnet die Einstiegstür, das Mädel schubst den Liebsten von sich. Da sehe ich, die beiden sind noch sehr jung und sehr, sehr verliebt. Dieses erste unschuldige totale verliebt sein sprüht den beiden aus allen Poren, man kann diesem Zauber selbst als Zuschauer nicht entkommen.

Sie steht auf, er auch. Sie verabschiedet sich mit einem letzten verliebten Kuss von ihm, dreht sich um, den Blick schüchtern zu Boden gerichtet. Er blickt ihr verträumt hinterher, lächelt beinahe Monalisas Lächeln. Wissend, schätzend, ehrend und verliebt. Sie steigt in den 5er ein, wegs ihrer großen Gefühle leicht schwankend, und setzt sich dem Mann, der nun leise und verstehend lächelnd mit seinem Kopf wackelt, gegenüber. Die Afrikanerin schmunzelt wissend und beendet ihr Gespräch mit der Familie, ohne dabei den Blick von der Verliebten abwendend.

Beinahe scheint es, als würde sich jeder im Zugabteil Anwesende ans erste verliebt sein erinnern. Ein schönes, wundervolles und alle Grenzen sprengendes Gefühl. Das erste Gefühl, des erwachsen seins. Um mich herum vor Glück, und in eigenen Erinnerung schwelgend, grinsende Gesichter.

Der Zugführer schließt die Türe und fährt langsam weiter …

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Kategorien:Essays

2 replies

  1. Berührend, …

    Nur weiter so!

  2. das erste verliebtsein … das vergisst man wohl nie! und anscheinend kramt im angesicht eines verliebten jungen paares jedermann in diesen erinnerungen, wenn man das lächeln der beschriebenen straßenbahngäste vor augen hat!

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