Besuch im Stift Klosterneuburg
Das Besucherzentrum in der Sala terrena im Stift Klosterneuburg; (c) kipet
Seit dem 6. Mai 2006 erstrahlt die Sala terrena des Stifts Klosterneuburg (Niederösterreich) im neuen Glanz. Der neu gestaltete Eingangsbereich beeindruckt durch eine gelungene Kombination des unvollendeten barocken Ambientes mit einer modernen Besucherinsel. Besonders herausragend sind die acht imposanten Atlanten des italienischen Meisters Lorenzo Mattielli, die die Kuppel der Sala terrena zu stützen scheinen.
Einer der acht Atlanten der Sala terrena; (c) kipet
Europäischer Kulturerbe-Preis für Umbau
Die Renovierung der gesamten Klosteranlage und die Adaptierung der Sala terrena verschlang mehr als 16 Millionen Euro. Das Stift selbst steuerte rund 10,9 Millionen Euro bei. Die mühe lohnte sich, denn am 8. Juni 2007 überreichten EU-Kommissionsmitglied Jan Figel und Prinz Henrik von Dänemark in Anwesenheit des schwedischen Königspaares an Generalabt Probst Bernhard Backovsky und Direktor Leopold Nußbaumer als Projektleiter das Diplom des Europäischen Kultur-Erbepreises und des Europa Nostra-Preises in Stockholm. Diese Auszeichnung bekam das Stift in der Kategorie Architekturerbe für die Vitalisierung der Sala terrena und der anschließenden Räume.
Wahl des österreichischen Weltwunders
Zusätzlich können die Betreiber des Stiftes Klosterneuburg auf die von der Tageszeitung Kurier ausgerufene Wahl des österreichischen Weltwunders stolz sein: das Stift – anfänglich nicht einmal nominiert – wurde von den Lesern nachnominiert und letztendlich zum Sieger gekürt!
Zugang zum Stift Klosterneuburg; (c) kipet
Geschichte des Stifts
Das Stift Klosterneuburg ist bereits seit 270 Jahren Baustelle. 1730 beschloss Kaiser Karl V., der Vater Kaiserin Maria Theresias, in Klosterneuburg einen Escoral (Kombination aus Kloster und Residenz) zu errichten. 1739 verbrachte der Kaiser bereits seine erste Nacht in der neuen Residenz. Allerdings blieb es seine einzige, denn im Folgejahr verstarb der Monarch. Kaiserin Maria Theresia stoppte die Bauarbeiten unverzüglich und wandte sich dem Ausbau Schönbrunns zu. Da die Augustiner-Chorherren die Baukosten selbst berappen mussten, empfand man den Baustopp als Erleichterung. Was blieb war fragmentarisch: ein halber Kaiserhof und die mit Brettern abgedeckten Gänge einer barocken Anlage.
Die romantische barocke Gartenanlage des Stifts heute; (c) kipet
100 Jahre später vollendete der Wiener Architekt Josef Kornhäusel einen der vier geplanten Kaiserhöfe. Was nicht verwendet wurde, wurde in seinem unvollendeten Zustand belassen. Ebenso die Sala terrena, die als Ausgang in den Barockgarten, der ebenfalls nie angelegt wurde, gedacht war. Die Halle verkam zur Lagerstätte.
Erst im Zuge der großen Generalrenovierung und der Errichtung einer Tiefgarage nahm man sich der Sala terrena an und funktionierte die Halle zum Besucherzentrum um. Die Architekten beschlossen das Gesicht der Sala terrena in seinem unvollendeten barocken Zustand zu belassen, selbst die handschriftlichen Markierungen Mattiellis an den acht Atlanten sind heute noch zu sehen.
Interessante Links zum Schmökern:
Besucherservice (inkl. Öffnungszeiten, Führungen und Preise)

3 Antworten bis hierher ↓
Sonnenschein // Februar 16, 2008 um 9:40 |
schön, von der alten „heimat“ so interessantes zu lesen!
kipet // Februar 26, 2008 um 6:14 |
Für alle Fans der klösterlichen Kultur ein Tipp:
Vom 26. Februar bis 14. August präsentiert die Münze Österreich ihre neue Ausstellung „Stifte und Klöster in Österreich“. Sie zeigt als Highlight das älteste mit beweglichen Lettern gedruckte Buch der Welt aus der Werkstatt Gutenbergs.
Die Ausstellung ist von 26. Februar bis 15. August werktags von 9:00 bis 16:00, am Mittwoch bis 18:00, in der Münze Österreich, Am Heumarkt 1, 1030 Wien, geöffnet.
kipet // April 21, 2008 um 12:46 |
Pressetext-Aussendung:
Eine 10-Euro-Münze für „Stift Klosterneuburg“
Die Reihe „Stifte und Klöster in Österreich“ führt nach Niederösterreich
Zum Artikel bitte hier klicken:
http://www.pressetext.at/pte.mc?pte=080415013